„Stille Stunden“ im Einzelhandel – auch ein Modell für Berlin?

Einkaufen gehen bedeutet meist Reizüberflutung, was für viele Menschen eine Belastung darstellt. In Wiesbaden fahren nun rund 30 Läden einmal die Woche für zwei Stunden die Musik runter. Von Jessica Gummersbach

„Stille Stunden“ im Einzelhandel – auch ein Modell für Berlin?
Foto: stock.adobe.com

Als Soundtrack für die folgende Meldung empfehlen wir den heutigen Song unserer Checkpoint- Sommerplaylist: The Clash – „Lost in the Supermarket“.

Falls Sie sich hin und wieder beim Einkaufen verloren fühlen, könnte das an der Reizüberflutung liegen: Grelles Licht, lautes Gedudel und blinkende Displays sind oft die Regel. Wiesbaden schaltet jetzt einen Gang runter: Seit Juli gibt es dort die „Stille Stunde“. Donnerstags von 15 bis 17 Uhr werden Lampen gedimmt, Musik herunter- oder abgeschaltet und Durchsagen vermieden. Rund 30 Läden machen mit. Besonders Menschen, die sensibel auf Reize reagieren – etwa aufgrund von ADHS, Autismus, Demenz oder Long Covid – können so einkaufen, ohne überfordert zu werden.

Könnte ein solcher Schalldämpfer auch der Hauptstadt guttun? Die Shoppingzentren Alexa, Mall of Berlin, East Side Mall und The Playce blieben auf Checkpoint-Anfrage etwas zu ruhig. Das Bikini Berlin lässt ausrichten, man finde das Konzept „sehr spannend“ und verfolge es „mit großem Interesse“. Ob sich die „Stille Stunde“ umsetzen lasse, werde aktuell geprüft.