Die kreative Kraft des Klopapiers

Seit 20 Jahren sammelt Juli Gudehus das gerade wohl am stärksten nachgefragte Kulturgut – Klopapier. Jetzt präsentiert die Grafikerin ihre Schätze bei Youtube. Von Lorenz Maroldt

Die kreative Kraft des Klopapiers
Foto: Screenshot

Was machen die Leute eigentlich mit dem ganzen Klopapier? Mumifizieren die sich damit aus Angst vor dem Virus? Setzen sie darauf, dass die einzelnen Blätter demnächst als Zahlungsmittel gelten? (Wechselkurs: mit Blümchen ein Euro, ohne fünfzig Cent)? Tapezieren sie damit ihre Wohnung, legen sie das Zeug in den Drucker, arbeiten sie am längsten Kunstwerk der Welt? Tja, warum eigentlich nicht.

Was für eine kreative Kraft im Klopapier steckt, hat die Grafikerin Juli Gudehus bereits vor zwanzig Jahren entdeckt: Sie sammelt Blätter von der Rolle wie andere Leute Panini-Bildchen – 800 verschiedene Exemplare mit Motiven aus aller Welt hat sie katalogisiert. Und jetzt, in den Tagen der Krise, präsentiert sie ihre Schätze bei Youtube, Titel der Serie (8 Folgen bisher): „Klopapier – Gestaltung für den Arsch“ (hier zu sehen) Nicht nur Freunde der Popolärkultur werden sich daran erfreuen. Doch wer im Laden verzweifelt auf Nachschub wartet, empfindet die Vielfalt und Fülle wie Folter: dem Ziel so nah – und doch so fern.

Wer im Supermarkt mal wieder leer ausgegangen ist und 6,99 Euro für ein Päckchen Zewa vom Rewe-Lieferservice für zu happig hält, muss sich nach Alternativen umschauen – auch an untypischen Orten: Die Bäckerei Lehmann in der Marienfelder Allee z.B. verschenkte am Sonnabend zu jedem verkauften Brot eine Rolle „Wertpapier“ – aber bitte nicht weitersagen! (Gesehen von Checkpoint-Leser Rainar Mielke)