Verständigung statt einfacher Parolen: Bundespräsident Steinmeier lädt Juden und Muslime ein
Und doch sind diese politischen Debatten weit weg von der Realität auf den Straßen und in den Klassenzimmern. Weil tatsächliche Unterstützung im Alltag fehlt, dürften die Solidaritätsworte nicht bei allen Juden ankommen. Zugleich kämpfen arabischstämmige Menschen darum, dass die Gesellschaft auch ihre Trauer um Opfer anerkennt.
Platz hatten all diese Gefühle am Mittwoch im Schloss Bellevue. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte die Holocaustüberlebende Margot Friedländer sowie elf jüdische und muslimische Macher von Projekten gegen Hass eingeladen. „Es gibt eine Tendenz der Polarisierung. Die bestärkt wird von der Politik. Es wird immer schwieriger, zusammenkommen“, sagte Derviş Hızarcı, Vorsitzender der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus. Steinmeier selbst verurteilte in seiner Ansprache Antisemitismus scharf, zeigte aber auch Verständnis für die Verzweiflung arabischstämmiger Menschen im Land angesichts der zivilen Opfer in Gaza. Leise und komplex statt laut und simpel. Nur so kann Verständigung in diesem Land gelingen.