Berlins Abgeordnetenhaus prüft Stasi-Vergangenheit nicht mehr
Jahrzehntelang wurden neue Berliner Parlamentarier erst auf mögliche Stasi-Verstrickungen gecheckt. Das ist nun offenbar Geschichte. Aus dem Checkpoint. Von Lorenz Maroldt
Vergangene Woche war ich im Delphi bei der Vorpremiere von „Leander Haußmanns Stasikomödie“. Am Ausgang traf ich einen ziemlich aufgebrachten Philipp Lengsfeld – der Ex-CDU-MdB schimpfte los: „Ich koche vor Wut!“ Für ihn ist der Film, der heute offiziell startet, keine Komödie, sondern eine „reine Denunziation“ der Künstler-Szene in Prenzlauer Berg und „der letztlich hilflose Versuch einer Umdeutung der Geschichte“. Andere amüsierten sich prächtig, und wieder andere sind erkennbar durch mit dem Thema.
Das gilt auch für das Abgeordnetenhaus – jahrzehntelang wurden die neuen Parlamentarier auf mögliche Stasi-Verstrickungen gecheckt, doch in dieser Legislaturperiode hat sich das offenbar erledigt, man könnte auch sagen: vergessen. Hier die offizielle Bestätigung auf unsere Anfrage: „Das Parlament hat in dieser Legislaturperiode keinen Ehrenrat eingerichtet. Folglich hat es auch keine Regelabfrage gegeben. In der Vergangenheit waren immer alle gewählten Abgeordneten überprüft worden.“
Tempi passati. Schauen wir uns kurz die Statistik an: 25 von 147 Abgeordneten sind älter als 54, waren also zur Wende mindestens 22 Jahre alt. Von denen wiederum sind 5 neu im Amt. Mathematisch ist das eine kleine Größe, aber menschlich: unberechenbar.