Wohnungen auf ungenutzten Industrieflächen? So reagieren Bezirke und Senat auf den Vorschlag von Ex-Senator Strieder

Der frühere Stadtentwicklungssenator schlägt vor, Berlin durch Wohnbebauung auf Industrieflächen zu verdichten. Aus den Bezirken gibt’s erstmal verhaltene Reaktionen – und eine Erinnerung. Von Margarethe Gallersdörfer und Thomas Lippold.

Wohnungen auf ungenutzten Industrieflächen? So reagieren Bezirke und Senat auf den Vorschlag von Ex-Senator Strieder
Foto: Sabine Gudath via www.imago-images.de

Für die Industrie vorgehaltene Flächen am Stadtrand besiedeln statt weitere Innenverdichtung: Dieses Rezept gegen den Wohnungsmangel hat Berlin der langjährige SPD-Stadtentwicklungssenator Peter Strieder ausgestellt (CP von gestern). Team Checkpoint hat nachgefragt, wie diese Medizin dem Senat und den Bezirken schmeckt.

+++ Pankow verwies gleich stolz auf sein Quartiersprojekt „Pankower Tor“, das nach 18 Jahren endlich realisiert werden soll und 2000 neue Wohnungen schaffen würde.

+++ Liebe Grüße von Reinickendorfs CDU-Bürgermeisterin, die offenbar was loszuwerden hatte. Emine Demirbüken-Wegner teilte uns mit, sie begrüße die Forderung, das Flächennutzungsmanagement zu überdenken. „Auch lang leerstehende Gewerbeflächen und Industriebrachen einer neuen Nutzung zuzuführen, ist sinnvoll. Dazu gehört meines Erachtens auch die Umnutzung von Büroflächen! Eine Verdichtung zulasten der typischen offenen Bauweise halte ich jedoch für grundfalsch – denn dies würde unsere Stadt um ihren berlintypischen Charakter mit einem Drittel Grün berauben.“

Ansonsten, so Demirbüken-Wegner weiter, sei dies „ein Landesthema, mit dem Herr Strieder schon an den Einstellungen der eigenen Partei scheitern wird! Er hat in seiner Amtszeit als Senator tausende Wohnungen zum Abriss freigegeben, weil diese damals leer standen und er glaubte, die würden nie wieder gebraucht. So viel zur ‚planerischen Weitsicht‘ des Herrn Strieder!“

+++ Mit einem Überfluss an ungenutzten Industrie- und Gewerbeflächen sei man nicht gesegnet, schrieb uns der zuständige CDU-Stadtrat von Steglitz-Zehlendorf, Patrick Steinhoff. Aber: „Wir sind dran an mehr Wohnungen!“ Den Bebauungsplan für das Stadtquartier Lichterfelde-Süd – 2500 Wohnungen – sollten die Bezirksverordneten just gestern Abend beschließen. „Im kommenden Herbst geht’s dann mit der Bauvorbereitung schon los“, freute sich Steinhoff. Entwicklungspotenziale gebe es grundsätzlich „entlang der Siedlungsachsen, meist der Schienenwege. Bei uns: Dresdner Bahn, Anhalter Bahn und Potsdamer Stammbahn.“

+++ Und was sagt Christian Gaebler, zuständiger Senator und Strieders Parteifreund? „Das sind alles Bausteine für die Überwindung des Wohnungsmangels, aber kein entweder oder.“ Man müsse für jeden Standort die beste Lösung finden: „Mit den neuen Stadtquartieren liefern wir entsprechende Beiträge.“

Auch eine Leserin aus ChaWi schrieb uns: „Aus meiner Sicht war es ein großer Fehler, das alte Reemtsma-Gelände in Schmargendorf nur in einen Gewerbepark zu verwandeln, statt dort auch (und vor allem) preiswerten Wohnraum, eine Schule und eine Sportstätte zu bauen.“ Das Gelände umzuwidmen sei dem Bezirksamt damals wohl zu umständlich gewesen, schreibt sie. „Und das, obwohl es im Falle des Reemtsma-Geländes sicher nicht zu Protesten gekommen wäre wie insbesondere bei den Kleingärten der Kolonie Oeynhausen, wo hauptsächlich Wohnungen im Luxussegment entstanden sind.“

Ideen gibt’s also genug! Nur umsetzen muss sie noch jemand.