DRK widerspricht Vorwürfen zu Berliner Ankunftszentrum

Schlecht angekommen? Berichte über chaotische Zustände für Ukraine-Geflüchtete in Tegel weist das Rote Kreuz weit von sich: „Keiner wird hier alleingelassen.“ Von Ann-Kathrin Hipp, Anke Myrrhe und Joana Voß

DRK widerspricht Vorwürfen zu Berliner Ankunftszentrum
Was erwartet ukrainische Geflüchtete im Berliner Ankunftszentrum: Ordnung oder Chaos? Foto: Christoph Soeder/dpa

Viel Lob gab es in den vergangenen Wochen für das neue Aufnahmezentrum für Ukraine-Geflüchtete in Tegel. Doch die Begeisterung ist offenbar nicht bei allen gleich groß. Ein Mitarbeiter, der lieber anonym bleiben möchte, hat meinem Kollegen Sebastian Leber erzählt, wie es aus seiner Sicht läuft, Auszüge:

+++ „Wichtige Abläufe dauern länger als nötig oder funktionieren gar nicht, weil sie schlecht organisiert sind. Und Geflüchtete, die dringend Hilfe brauchen, gehen in diesem Chaos unter.“

+++ „Es gibt zu wenig Übersetzer, und die wenigen sind im Getümmel schwer auffindbar. Die Geflüchteten warten stundenlang in schlecht beheizten Zelten, sie frieren und bitten um Decken.“

+++ „Ich habe in den Zelten Menschen gesehen, die umkippen und am Boden liegen. Auch Kinder, die ganz blass waren und sich vor Stress übergeben mussten.“

+++ „Ich habe mitbekommen, wie Menschen mit Schmerzen gesagt worden ist: Sie sind jetzt kein akuter Notfall, bitte setzen Sie sich wieder hin.“

+++ „Alle Helfer, mit denen ich gesprochen habe, finden die Zustände hier ebenfalls chaotisch. Aber keiner will das offen ansprechen. Manche winken zynisch ab und sagen nur ,Grüße an die Senatsverwaltung‘.“

Das ganze Protokoll gibt es hier.

Die Grüße haben wir gestern direkt Sozialsenatorin Katja Kipping ausgerichtet, die uns mit einer Sprachnachricht in der zweiten Folge unseres Podcasts „Berliner & Pfannkuchen“ ausführlich antwortete. Dankbar sei sie über jeden Hinweis, denn nur so könne nachgebessert werden. Und: „Wir müssen auch vieles nachbessern, denn wir haben ja wirklich mit einem Kaltstart hier enorme Prozesse aufgesetzt.“ Kipping nahm sofort Kontakt mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) vor Ort auf, das wenig später ebenfalls umfassend reagierte und alle Vorwürfe zurückwies: Die Abläufe seien sehr geoordnet, die Betreuung professionell. „Von chaotischen Zuständen kann keine Rede sein.“ Weitere Auszüge:

+++ „Jeder Familienverband wird durch eine Betreuungskraft unterstützt“

+++ „Übersetzer des LAF im Hub sind mit einer orangen Weste gekennzeichnet, auf deren Rückseite eine vierstellige Nummer steht. So sind die Übersetzer nicht zu übersehen und können jederzeit herbeigerufen werden.“

+++ „Probleme mit der Zeltheizung gab es in einer einzigen Nacht nach dem Aufbau. Diese konnten jedoch schnell beseitigt werden. Zum Schutz vor Kälte wurden Decken ausgegeben, die die Flüchtlinge anschließend mit auf die Reise genommen haben.“

+++ „Die Behauptung, es würden Menschen umkippen und am Boden liegen, ist eine bösartige Unterstellung.“

+++ „Aufgrund der anstrengenden Flucht gibt es Kinder, die sich übergeben müssen. Diese Kinder werden rund um die Uhr von einem Sanitätsteam betreut.“

+++ „Das psychologische Betreuungsangebot stellt die Johanniter Unfallhilfe zur Verfügung. Es steht rund um die Uhr im 3. Stock des Terminals B zur Verfügung.“

+++ „Keiner wird im Ukrainischen Ankunftszentrum allein gelassen.“

Und weniger als eine Stunde nach Erscheinen des Podcasts schickte uns Projektleiter Detlef Cwojdzinski eine Einladung ins Ankunftszentrum Tegel, um uns „ein objektives Bild von der Situation und den Abläufen hier“ zu machen. Nehmen wir natürlich gerne an.