Kinder sind teuer

Die Bäder sind wieder geöffnet, willkommene Abwechslung für gestresste Eltern, dachte sich Tagesspiegel-Leser Martin G. – und bekam: noch mehr Stress. Bevor er mit seinem dreijährigen Sohn ins Freibad aufbrach, fragte er lieber noch mal nach bei den Bäderbetrieben: Alle brauchen Online-Tickets, aber Kinder sind weiterhin gratis? Am 28. Mai erhielt er eine freundliche Antwort aus dem Kundenzentrum: „Pro erwachsener Aufsichtsperson (mind. 18 Jahre) können in den Sommerbädern in dieser Saison zwei Kinder bis fünf Jahre unentgeltlich mit ins Bad genommen werden. Für diese Kinder sind keine Eintrittskarten notwendig.“ Praxistest vorige Woche im Olympiabad: kein Problem. Gestern im Sommerbad Pankow: Ohne Ticket kommt das Kind nicht rein. Und die gibt es derzeit nur online, Einheitspreis: 3,80 Euro.

Nachfrage bei Chefschwimmer Matthias Oloew (Sprecher BBB): Stimmt. Auch Kinder brauchten eigentlich schon seit der Öffnung am 25. Mai ein Ticket, weil man alle Namen brauche, um bei einer Coronavirus-Infektion Kontaktwege nachverfolgen zu können. Die Zeitfenster für kleine Kinder waren anfangs kostenlos – was nun allerdings geändert wurde. Es seien nämlich flotte 80 Prozent der Nulltarif-Schwimmer (samt Eltern) nicht aufgetaucht (im Schwimmbad, nicht aus dem Wasser), sagt Oloew. Weil die Tickets nicht neu vergeben werden können (es gibt schließlich keine Abendkasse), waren die Berliner Bäder noch viel leerer, als sie sein müssten. Zeigt einmal mehr: Was nichts kostet, ist offenbar nichts wert. Gilt leider auch in Krisenzeiten.