Wissenschaftsfreiheit in den USA bedroht: Wie Berlin vom Braindrain profitieren will
Die Berliner Wissenschaftspolitik wittert eine Chance: Während US-Forscher wegen politischer Eingriffe unter der Trump-Regierung abwandern, will der Senat sie nach Berlin locken – mit einem neuen Förderfonds von vier Millionen Euro jährlich. Doch die Bilanz ist bislang mager, und die Universitäten fordern mehr Planungssicherheit, um im internationalen Wettbewerb um Talente wirklich mithalten zu können.
Von Daniel Böldt und Valentin Petri.
Seit Monaten wirbt Berlin um die von der Trump-Regierung vergraulten US-Forscher (sogar in der New York Times). Der große Erfolg blieb bislang aus, wie eine Checkpoint-Abfrage an den Unis ergab: Die FU meldet, derzeit sei ein „leichter Anstieg“ bei Anfragen von internationalen Nachwuchswissenschaftlern zu beobachten. Darunter seien auch Forscher aus Einrichtungen in den USA, deren Förderung eingestellt wurde.
Ähnlich äußert sich die UdK. Die HU ergänzt: „Um vermehrt Wissenschaftler*innen aus den USA für die Berliner Universitäten zu gewinnen, muss die Berliner Landespolitik finanzielle Planungssicherheit gewährleisten und ein Finanzierungsniveau sichern, das den Hochschulen Gestaltungsspielräume hierfür lässt.“
Tatsächlich hat die Wissenschaftsverwaltung inzwischen eine Art Fonds angeleiert, um Forscher aus dem Ausland zu gewinnen. Vier Millionen Euro pro Jahr sind dafür im nächsten Doppelhaushalt vorgesehen, der gerade im Abgeordnetenhaus auf Zustimmung wartet. Das Geld soll an die Einstein Stiftung gehen, bei der sich dann die Berliner Unis bewerben können.
Noch im Juli hatte der Senat der Stiftung allerdings vier Millionen Euro gekürzt. Ab 2026 kommen wieder vier Millionen über den Fonds dazu. Falls Sie das für Schönrechnerei halten: Senat und Einstein Stiftung beharren darauf, dass nun mehr Geld zur Verfügung steht. Schließlich seien die Mittel exklusiv für „internationale Spitzenberufungen“ vorgesehen. Wir merken uns: Auch die Berliner Förderlandschaft ist eine Wissenschaft für sich.