Heizkraftwerke stellen auf Holz um: Verheizt Berlin bald Brandenburgs Wälder?
Der geplante Umstieg mehrerer Kraftwerke von Kohle auf Holz sorgt für Skepsis beim Nabu. Auch Grünen-Politiker Taschner befürchtet, dass die Berliner Bevölkerung dafür zahlen muss. Von Christian Latz und Jessica Gummersbach.
Heizen mit Holz klingt nach einem kleinen Feuerchen am Kamin und ziemlich altmodisch. Der Senat will genau das künftig im großen Stil machen: ganze Stadtteile Berlins mit Holz beheizen – und dafür womöglich auch Brandenburger Wälder verfeuern. Mehrere Heizkraftwerke sollen in den kommenden Jahren auf den Betrieb mit Holz statt Kohle umgerüstet werden. Aktuell läuft das Genehmigungsverfahren für das Kraftwerk Reuter West. Aus Sicht von Experten eine fatale Entscheidung, die für Berliner Fernwärmekunden teuer werden könnte.
Zwar erklärte der Senat zuletzt, dass dort „im Wesentlichen Altholz“ verfeuert werden soll. Das sei aber kaum zu halten, befürchtet Nabu-Referentin Michaela Kruse. „Wir erwarten, dass in Berlin Frischholz verbrannt wird, weil Altholz gar nicht in den Mengen auf dem Markt vorhanden ist.“ Bundesweit würden Städte ihre Heizkraftwerke auf Holz umstellen. Entsprechend steige in den kommenden Jahren die Nachfrage. „Das führt absehbar zu einem Engpass“, so Kruse, der das Heizen verteuern dürfte. Ein „ökologisches wie wirtschaftliches Desaster“, befürchtet Grünen-Umwelt-Politiker Stefan Taschner. Die Rechnung dafür würden die Berlinerinnen und Berliner zahlen.