Berlins Orgeln per App erkunden
Die bekanntesten Exemplare sind auf der Straße zu finden: Leierkästen. Ein Spieler erzählt, was den Reiz der Berliner Originale ausmacht. Von Robert Ide.
Warum lässt man am Strand der Spree /
Gern alle Puppen tanzen? /
Warum gedeihen nur hier, nu nee /
Die echt Berliner Pflanzen?
So geht sie los, die Stadthymne, die viele nur vom Hörensagen oder vom Mitsummen am Leierkasten kennen: Das ist die Berliner Luft. Doch hier weht nicht nur ein holder Duft, Duft, Duft, sondern auch Musik, die die Stadtgeschichte durch die Jahrhunderte trägt. „Wenn ich an meiner Orgel drehe, verspüre ich ein glückliches Gefühl, weil die Menschen so gerührt sind“, erzählt Milos Kozon am Checkpoint-Telefon. Der Reinickendorfer spielt seit acht Jahren die Drehorgel auf Berlins Straßen, tritt in Seniorenheimen und auf Gartenfesten auf. Der 40-jährige kennt das Instrument noch aus seiner Kindheit in den Karpaten, aber er weiß: „Die Drehorgel gehört zu Berlin.“
Und zwar schon lange. „Nach dem Deutsch-Französischen-Krieg gab es viele Invaliden. Die mussten beschäftigt werden. Das wurden sie auch mit Genehmigungen zum Musizieren“, hat Axel Stüber, einer der letzten Drehorgelbauer der Stadt, einmal erzählt. Nun wird Berlins Orgelgeschichte ganz neu heruntergeorgelt: Der Landesmusikrat und die sowieso gute „Berlin History App“ launchen eine Orgel-App. Hier wird die gesamte Tonleiter an Instrumenten in Wort, Bild und Ton vorgestellt – bis hinauf zu den höchsten Kirchenorgeln der Stadt. Starorganist Cameron Carpenter ist ebenso dabei wie Drehorgelspieler Kozon (Video hier). Er weiß, was seinen Leierkasten von Kirchenorgeln unterscheidet: „Eigentlich nix, sie sind nur kleiner.“ Und stehen an der frischen Luft, Luft, Luft.