Clubs, Ausstellungen und Kinos probieren neuen Alltag
In diesem Sommer entdeckt sich Berlin neu. Denn der kulturelle Ausbruch aus der Normalität kennt weiterhin seine Grenzen. Von Robert Ide.
Alles kann – mit ein bisschen Muss. Ist es das jetzt schon, dieses Leben mit Corona? Im Kino am Alexanderplatz soll man noch Zettel ausfüllen, bevor man in der Trailervorschau erblicken kann, wie viele Rollen Film sich hinter den lange geschlossenen Vorhängen stapeln. Auch bei der (grandiosen) Kusama-Ausstellung im Gropius-Bau gibt es gleich mehrere Einlasskontrollen, bevor man durch kunstvolle Erlebnisräume wandelt und sich selbst in einen beweglichen Punkt der Welt verwandeln kann. Und bei der Hotelübernachtung in der eigenen Stadt (Erlebnisbericht von Jana Weiss hier) steht neben dem Kühler mit Champagner gleich die Flasche Desinfektion. Kühl bleiben, das zumindest kann Berlin weiterhin gut.
Lange Unmögliches ist wieder alltäglich möglich – aber ist es uns selbst möglich, das alles auf einmal zu erleben? Im Sisyphos-Club darf man sogar wieder Tanzlustbarkeiten nachgehen; mit negativem Test und medizinischer Maske wird zur Musik freigedreht. Nur an der Uhr darf niemand drehen: Konzertbeginn ist 20 Uhr, und zwar berlinuntypisch „pünktlich“. Punkt elf ist Schluss mit lustig. Rummelsburger Nächte sind kurz. Denn das kann Berlin im zweiten Corona-Sommer noch nicht wieder: sich nachts einfach mal selbst vergessen.