„Wie sollen sich jüdische Studenten so sicher fühlen?“ Neue Kritik an Berlins TU-Präsidentin Rauch

Noam Petri, Vizepräsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), äußerte sich zum Verhalten und zur Rücktrittsdebatte der Präsidentin der Technische Universität Berlin. Von Anke Myrrhe

„Wie sollen sich jüdische Studenten so sicher fühlen?“ Neue Kritik an Berlins TU-Präsidentin Rauch
Foto: dpa/Jens Kalaene

Beschämend ist auch, was sich derzeit an der Technischen Universität abspielt. Während das TU-Kuratorium den Gremien keine Abwahl der Präsidentin vorschlagen möchte, äußerten sich jetzt Mitglieder des Akademischen Senats namentlich im Tagesspiegel (das „Parlament“ der Uni hatte am Donnerstag mit 13/12 Stimmen für einen Rücktritt der Präsidentin gestimmt). Rauch hatte einen Tweet mit antisemitischer Bildsprache und israelfeindliche Posts auf der Plattform X mit „gefällt mir“ markiert. „Wenn man die Lage rational bewertet, müsste man daraus einen Rücktritt ableiten“, sagt Sören Salomo, Professor für Technologie und Innovationsmanagement. Er befürchtet Auswirkungen auf Forschungskooperationen. Auch andere Mitglieder des Gremiums bezeichneten die Lage als „untragbar“ und „besorgniserregend“.

Besorgniserregend ist allerdings vor allem die Situation für Jüdinnen und Juden. „Berlin ist gekippt“, titelte vergangene Woche die „Jüdische Allgemeine“. „Vielen gilt die deutsche Hauptstadt als ein offener, aufregender Ort. Für die jüdische Gemeinschaft ist damit seit dem 7. Oktober Schluss – wirklich frei kann sie hier nicht mehr leben“, heißt es im bedrückenden Titel-Text. „Und während der Bewegungsradius schrumpft, wächst ein Ghetto, von dem die Juden dachten, dass es nie wiederkommen würde.“

In derselben Ausgabe findet sich ein Kommentar von Noam Petri, Vizepräsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD). Er schreibt darin, dass es zwischen Rauch und der JSUD keinen Austausch gegeben habe – allerdings über Umwege. Als die JSDU (wie einige andere) den kürzlich von Rauch eingesetzten Antisemitismusbeauftragten Uffa Jensens kritisiert hat, habe eine Antwort darunter wörtlich gelautet: „Schämt euch für die Verleumdung eines klugen Menschen. Schämt euch!“ Geraldine Rauch habe auch diese Antwort mit „Gefällt mir“ markiert. Nachvollziehen lässt sich das nicht mehr.

„Auf der einen Seite wollte Geraldine Rauch bis zum großen Skandal mit terrorverherrlichenden Studenten einen Dialog führen“, schreibt Petri. „Auf der anderen Seite sollen sich jüdische Studenten nach sachlicher Kritik an ihrer Entscheidung schämen. Wie sollen sich jüdische Studenten so sicher fühlen?

Den aktuellen Checkpoint-Podcast zum Thema mit unserem Hochschul-Experten Tilmann Warnecke gibt es hier (und überall, wo es Podcasts gibt), außerdem empfehle ich Ihnen diesen Texte zur Einordnung:

Fünf Lehren aus der Debatte um Geraldine Rauch: Eine teils maßlose Debatte, ein fragwürdiges Rollenverständnis und die Hochschulautonomie unter Druck – es geht längst um mehr als um Likes für antisemitische Inhalte.