Schule schwänzen wird in Berlin immer leichter – wegen Bußgeldstau
Da es im Berliner Schulamt nicht genügend Personal gibt, verzögert sich die Durchsetzung von Strafzahlungen gegen schulsäumige Familien deutlich – ein Zustand, der bereits mehrere Jahre zunimmt. Von Valentin Petri.
Schulaufgaben werden immer leichter, klagen viele Menschen, die sich mit der Bildung in Berlin beschäftigen. Wer aber beklagt, wie leicht es inzwischen ist, die Schule zu schwänzen? Wer zumindest in Mitte den Weg zur Tafel scheut, hat gute Chancen, ohne Fehl und Tadel zu bleiben. Das unterbesetzte Schulamt kommt kaum hinterher, Strafzahlungen gegen schulsäumige Familien durchzusetzen.
Bis Anfang November seien 2025 lediglich 7.231,10 Euro eingetrieben worden, berichtet Schulstadtrat Benjamin Fritz (CDU) in einer Vorlage für die Bezirksverordnetenversammlung. Eigentlich hätten es rund 428.000 Euro sein müssen. Der Bußgeldstau habe sich über mehrere Jahre angesammelt, wohl auch, weil Verfahren wegen „schlechter Zahlungsmoral“ oft zu lange dauern.
Auf die Prüffrage, wie es so weit überhaupt kommen konnte, antwortet Stadtrat Fritz in für die Berliner Bildungspolitik seltener Offenheit: Der Personalmangel habe „zunächst zu Überlastungssituationen, danach zum Weggang und Ausfall von Personal und schließlich, trotz Priorisierung der Aufgaben, zum Zusammenbruch von Arbeitsprozessen“ geführt.
Inzwischen sollen die Abläufe im Schulamt neu geregelt sein, berichtet Fritz auf Nachfrage – und hofft, dass „Schuldistanz im Jahr 2026 wieder spürbarer“ verfolgt werde. Wir kommen in einem Jahr zur Heftkontrolle.