„Telefonisch gar nicht erreichbar“: Wie ein Grünen-Politiker als Bürger am Bezirksamt Mitte scheitert

Auf den Wohngeld-Antrag des Grüne-Jugend-Sprechers reagiert der Bezirk erst nach einer schriftlichen Anfrage. Und will nun intime Details aus der Wg: Wer putzt, wäscht und kocht. Von Ann-Kathrin Hipp.

„Telefonisch gar nicht erreichbar“: Wie ein Grünen-Politiker als Bürger am Bezirksamt Mitte scheitert
Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Ein Realitätsabgleich ist für Politiker meist eine nützliche Sache, für Timon Dzienus war sie gleichermaßen abschreckend. Im Dezember 2022 beantragte der Sprecher der Grünen Jugend im grün geführten Bezirk Mitte Wohngeld…, um dann erstmal lange ignoriert zu werden. „Das Bürgeramt Mitte ist telefonisch gar nicht erreichbar“, wundert sich der Politiker an unserem Telefon (Anm. d. Red.: Wir sind’s natürlich immer!). Erst auf schriftliche Nachfrage im August erhält er im September eine Liste nachzureichender Dokumente, darunter Kontoauszüge, der Personalausweis, eine Anmeldebestätigung, ein Untermietvertrag, eine Grundrissskizze der WG mit Erklärung, wer welche Räume nutzt und ein Fragebogen. Das Amt will u.a. wissen, wer die Wohnung putzt, wer die Wäsche wäscht, wer kocht und ob Mahlzeiten gemeinsam eingenommen werden. Als „viel zu lange“ und „erniedrigend“ bezeichnet Dzienus das Verfahren; man müsse sich „quasi nackt machen“. Sein Antrag wird derweil immer noch geprüft. Immerhin weiß der Bezirk jetzt, wer die Wäsche wäscht: die Waschmaschine.