Aus Berlin kommen fast keine Patente mehr

Im Jahr 2024 meldeten Berlinerinnen und Berliner nur ein Prozent der Patente in ganz Deutschland an. Die Wirtschaftsverwaltung zeigt sich deshalb aber nicht allzu besorgt. Von Robert Ide und Sönke Matschurek.

Aus Berlin kommen fast keine Patente mehr
Foto: Imago / Steinach

Berlin ist offenbar nicht mehr die Hauptstadt der Tüftlerinnen und Erfinder. Im zurückliegenden Jahr kamen von den Berlinerinnen und Berlinern (die fünf Prozent der Bevölkerung ausmachen) nur ein Prozent der Patente im ganzen Lande (468 Anmeldungen). Sind wir also überdurchschnittlich ideenlos? „Das muss zu denken geben“, gibt Berlins IHK-Vizepräsidentin Sonja Jost zu bedenken. „Patentanmeldungen sind ein wichtiger Anhaltspunkt dafür, ob es gelingt, wissenschaftlichen Erfindergeist zu marktfähigen Produkten weiterzuentwickeln.“ Die Wirtschaftsverwaltung denkt da ganz anders. „Patente sind nicht alles“, lässt Sprecher Matthias Kuder mitteilen. „Sie sind als einzige Kenngröße für Erfindungsgeist und Innovationserfolg ungeeignet.” Immerhin werde in der Stadt alle 17 Stunden ein Startup gegründet.   

Dabei war Berlin mal richtig patent. Aus der Hauptstadt kommen ikonische Erfindungen wie die Litfaßsäule fürs Auge (1855), Ohropax für die Ohren (1907), der zunächst „Heißluftdusche“ genannte Fön für die Haare (1909) und die ersten nahtlosen Kondome fürs Gefühl (1916). Werbung und Lärm, Mode und Sex – dit war Berlin! Und ist es heute noch.