Die Lockerung der Einheit

Vorneweg fiedelt diesmal Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (Kanzlerkandidat in spe). So verkündete sein Bundesland schon jetzt, die Schulen gleich nach den Ferien schrittweise wieder öffnen zu wollen. Eine Woche später sollen die ersten Kitas folgen. Der Call mit der Chefin? Soll mal kommen. Markus Söder (Kanzlerkandidat? Ja, nee.) plädiert hingegen – ausgerechnet, jaja – für Besonnenheit bei der Lockerung der Maßnahmen und lehnt baldige Schulöffnungen ab. Via Twitter erklärt er: „Es sollte kein Überbietungswettbewerb entstehen, der die Menschen verunsichert. Maß und Mitte sind gefragt. Wir sind noch lang nicht über den Berg.“ Sachsen-Anhalt hat sich schon von der Einheitslockerung verabschiedet und für die Lockerung der Einheit entschieden. Ministerpräsident Rainer Haseloff schreibt, ein „gemeinsamer Generalkurs sollte weiterhin erkennbar bleiben“. Es könne aber „durchaus lagebedingte, regionale und länderspezifische Unterschiede geben“. Mal sehen, wer heute den Marsch bläst.
Und Berlin? Vom lockerungsgetriebenen Papier der Wissenschaftler der Leopoldina (fundierte Gegenmeinung: hier) will sich niemand unter Druck setzen lassen. Als „Meinungsbild, kein Stufenplan, der wissenschaftlich unterlegt ist“, wird das Papier im Senat bezeichnet. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) sagt dem Checkpoint: „Es ist gut, dass in dem Papier Hinweise gegeben werden, aber über viele Punkte reden wir natürlich schon längst.“ Das heiß ersehnte Gutachten? Schon am nächsten Tag eher ein Cold Brew. Stattdessen konkretisieren die Senatsverwaltungen nun ihre eigenen Pläne für „stufenweise Lockerungen“. Einen groben Fahrplan gibt der Regierende Bürgermeister vor: die Abiturprüfungen sollen stattfinden, im Einzelhandel sind Lockerungen denkbar, Gottesdienste und Demonstrationen könnten in einem „begrenzten Rahmen“ wieder erlaubt werden. Eine allgemeine Maskenpflicht? No, merci. Aber Fahrpläne, wissen Berliner, können sich schnell ändern – besonders bei Gegenwind. Am Donnerstag tagt dann auch der Senat.
Laut „Bild“ sollen sich die Staatskanzleichefs der Länder am späten Dienstagabend womöglich auf eine Art „Generalkurs“ verständigt haben: Kontaktsperren, Versammlungs- und Reiseverbote könnten bis 3. Mai gültig bleiben. Kitas, Schulen und Unis blieben wohl vorerst geschlossen. Kleiner Geschäfte könnten unter Auflagen öffnen, die Bundesliga Geisterspiele austragen. Entschieden ist noch nichts.
Wie sehen Sie das: Käme die Öffnung der Schulen zu diesem Zeitpunkt zu früh (so sieht es Pankows Bürgermeister Sören Benn) oder soll Berlin dasselbe Gleis wie Armin Laschet nehmen? Alles Wissenswerte über das Für und Wider haben Susanne Vieth-Entus und Tilman Warnecke aufgeschrieben.