Koalitionsvertrag wirft Fragen auf: Brandenburgs neue Regierung plant nicht mit der Expo 2035

Berlin ist nur in Berlin der Nabel der Welt: Obwohl der Regierende Kai Wegner (CDU) laut eigener Aussage „im Austausch mit Brandenburgs Ministerpräsident Woidke“ für eine Expo-Bewerbung war, steht im neuen Koalitionsvertrag dazu nichts. Von Lorenz Maroldt.

Koalitionsvertrag wirft Fragen auf: Brandenburgs neue Regierung plant nicht mit der Expo 2035
Foto: Imago / IPON

Berlin ist zwar der Nabel der Welt (jedenfalls in Berlin), aber die Weltausstellung, die der Regierende Bürgermeister (gerne? vielleicht? unter Umständen? wenn’s sein muss?) 2035 mit Berliner Signet auf Flächen Brandenburgs ausrichten möchte, hat leider nicht in den Koalitionsvertrag der neuen rot-schwarzen Potsdamer Landesregierung gepasst – kein Wort zur Expo findet sich darin, obwohl Kai Wegner doch, wie er behauptet, „im Austausch mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke über die Bewerbung um die Expo“ sei. Ein langjähriger Insider der dortigen Landespolitik erklärt das Schweigen so: „Niemand fasst hier eine Berliner Totgeburt an.“

IHK-Präsident Sebastian Stietzel erwartet deshalb mal wieder eine Neuausrichtung: Der Senat sei aufgefordert, „seine bisherige Haltung zu überdenken und für die Hauptstadt ins Rennen zu gehen“ – und zwar „als europäische Initiative“. Wir stellen also mal wieder fest: Berlin umkreist die Weltausstellung so elliptisch wie die Welt die Sonne. Mal gibt’s Schatten, mal gibt’s Licht, aber wirklich näher kommt man ihr nicht (und wer es versucht, verbrennt sich die Finger; das Ding ist verflucht. Dabei wär’s sicher ein Bringer).

Kleiner Trostpreis – unser anderes Großprojekt war den Brandenburgern durchaus einen Eintrag im Koalitionsvertrag wert: „Wir begrüßen die deutsche Bewerbung für die Olympischen Spiele und sprechen uns besonders für das Konzept Berlin plus aus.“ Hurra. Bis dahin ist vielleicht ja auch politisches Fingerhakeln olympisch – was dann allerdings mehr für Münchens Bewerbung spräche...

… wenn da nicht diese seltsame Flut von Arbeitsflüchtlingen aus dem Süden nach Berlin wäre! Herthas Mittelfeldhoffnung: Maurice Krattenmacher aus Bayern. Kai Wegners Verwaltungsspezialistin: Martina Klement aus Bayern. Der neue Chef von Visit Berlin: Jürgen Amann aus Bayern. Und jetzt auch noch der neue S-Bahn-Chef: Heiko Büttner aus Bayern. Motto: Mia san mia – auch hia! Und alle bestens integriert. Im Gegenzug leisten wir alkoholische Entwicklungshilfe: Chef vom Münchner Hofbräuhaus ist bekanntlich der Berliner Jörg Lehmann.