Kai Wegner spielte Tennis am Krisentag

es ward wieder Licht in ganz Berlin – und Wärme, Wasser, Strom, auch Zuversicht. Einen Tag früher als befürchtet, aber doch erst nach vier langen Tagen und vier bitterkalten Nächten hat die Hauptstadt den größten Stromausfall seit dem Zweiten Weltkrieg überstanden – am Mittwochabend waren schließlich alle Haushalte und Gewerbebetriebe wieder mit Energie versorgt.

Von einer Seniorin ist bisher bekannt, dass sie den Blackout nach dem Terroranschlag auf die Energieversorgung nicht überlebt hat. Die 83-Jährige war von Angehörigen in ihrer unterkühlten Wohnung vorgefunden worden und verstarb im herbeigerufenen Rettungswagen. In vielen Häusern in Steglitz-Zehlendorf ist es weiterhin noch nicht warm, da Heizungen, Leitungen, Wasserhebeanlagen oder Wärmepumpen beschädigt sind und erst repariert werden müssen. Unseren Liveblog zu den Ereignissen finden Sie hier.

Nach schlimmen Tagen folgen nun wichtige Wochen der Aufarbeitung – und die fangen ganz oben an: beim Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU). Der war, wie der RBB am Mittwochabend herausfand, nach dem Anschlag nicht den gesamten Tag über mit dem Krisenmanagement beschäftigt, sondern zwischen 13 Uhr und 14 Uhr Tennis spielen – „weil ich einfach den Kopf freibekommen wollte“, wie Wegner jetzt erklärt. Mit von der Partie war seine Lebenspartnerin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU), was die Senatskanzlei erst am späten Mittwochabend dem Tagesspiegel bestätigte, aber Günther-Wünsch selbst zuvor offenbar in ihrem WhatsApp-Status verbreitet hatte.

Zur Uhrzeit des Spiels am Sonnabendmittag hatte der Netzbetreiber Stromnetz Berlin bereits mitgeteilt: „Ein Zeitpunkt für die Wiederversorgung kann derzeit noch nicht genannt werden.“ Es war also klar, dass der Blackout länger dauern würde. Der wichtigste Bürger der Stadt hat die Prioritäten seiner Stadt und auch seines Amtes falsch eingeschätzt. „Es gibt Politiker, die wachsen in Krisen über sich hinaus. Kai Wegner gehört nicht dazu. Er ging Tennis spielen“, kommentiert dazu unser Landespolitikchef Christian Latz (nachzulesen hier).

Wegner betont nun, er sei während der ganzen Zeit auch auf dem Tennisplatz erreichbar gewesen und im Anschluss direkt in sein Homeoffice-Büro zurückgekehrt, um die Hilfe zu koordinieren. Doch in dieser Aussage steckt sein größtes Problem: Er hat bis gestern über seinen Tagesablauf die Unwahrheit gesagt. Am Sonntag hatte Wegner noch über den Krisentag, an dem er weder ins Rote Rathaus oder die Innenverwaltung noch zu den Betroffenen gefahren war, gesagt: „Ich war zuhause, habe mich in meinem Büro zuhause eingeschlossen im wahrsten Sinne und habe dann koordiniert.“

Die anderen Parteien reagierten am Mittwochabend mit heftiger Kritik an Wegner. „Während die einen frieren, spielen die anderen Tennis. Mehr muss man nicht wissen“, hieß es von der Linken. Das Verhalten sei „inakzeptabel und eines Regierenden Bürgermeisters unwürdig“ (SPD) und es mache „fassungslos“ (Grüne). AfD und FDP forderten den Rücktritt Wegners. Stephan Weh, Landeschef der Polizeigewerkschaft, mahnte dagegen zur Mäßigung: „Es hat für die Bewältigung derartiger Einsatzlagen für Polizei und Feuerwehr keinerlei Mehrwert, wenn Politiker draußen sind.“ Und was denken Sie, liebe Leserinnen und Leser?