Nach Partynächten fühlen sich Anwohner im Stich gelassen

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und die „Grün Berlin“ schieben die Verantwortung hin und her. Gestern wurde wieder zur Party aufgerufen. Aus dem Checkpoint. Von Julius Betschka

Nach Partynächten fühlen sich Anwohner im Stich gelassen
Foto: Stefan Zeitz/Imago Images

Immer lockerer, lauter, lustiger ging es zuletzt im Gleisdreieckpark in Kreuzberg zu: Nach den außer Kontrolle geratenen Feiern an den vergangenen Wochenenden wurde gestern wieder zu einer Party aufgerufen. „Kommt vorbei, bringt Freunde und Alkohol mit“ und „Ganz Berlin kann kommen“, hieß es auf Instagram. Diesmal reagierte die Berliner Polizei schnell: „Unsere Kolleginnen und Kollegen werden der Einladung folgen und auf Einhaltung der Covid-19-Regeln achten“, schrieb das Social-Media-Team. Und weiter: „Superspreading-Events braucht niemand“. Laut Polizei blieb es ruhig.

Den Anwohnern reicht’s, deshalb kam am Wochenende der radikale Vorschlag auf, den Park nachts abzuschließen (CP von gestern): bloß kein zweiter Görli! Dem Checkpoint liegt nun ein weiterer Offener Brief vor. Darin schreiben Anrainer: „Kürzlich wurde die Bezirksbürgermeisterin, Monika Herrmann, zitiert, sie würde spätabends aus Angst nicht durch einen Park gehen. Viele Menschen würden aber gern abends noch eine angstfreie Parkrunde drehen oder ihren Heimweg per Rad durch den Park abkürzen. Und eben morgens weder Laubbläser zur Reinigung noch Scherben-Slalom ertragen müssen.“

Auf Checkpoint-Anfrage erklärte das Grünflächenamt Friedrichshain-Kreuzberg, man sei nicht zuständig, die Parkaufsicht liege bei der landeseigenen Grün Berlin GmbH. Die antwortete den Anwohnern auf ihren Brief: Das Hausrecht liege beim bezirklichen Grünflächenamt, dieses müsse Verstöße gegen das Hausrecht ahnden. Ja, wie denn nun? Um es noch komplizierter zu machen, antwortete das bezirkliche Ordnungsamt: Der Park werde eigentlich von Grün Berlin betreut und nachts könne eh nur die Polizei helfen. Klassischer Fall von: Behördenpingpong, das Musical.