Wie sich Deutschland jetzt locker zu machen versucht

Die Bundesrepublik öffnet sich für einen neuen Inzidenzwert. Und das Corona-Testen wird selbst zur Testprobe. Eine Einschätzung zu den aktuellen Beschlüssen. Von Robert Ide

Wie sich Deutschland jetzt locker zu machen versucht
Foto: Michael Kappeler/dpa

So, jetzt erst mal die Beschlüsse der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten zur Mitternachtsstunde im Überblick:

- Der Lockdown wird lockerer, gilt aber bis 28. März. Ab Montag sind Treffen von zwei Haushalten erlaubt, mit maximal fünf Personen sowie zusätzlich zugelassenen Kindern unter 14 Jahren. Der Osterhase darf auch dabei sein.

- Zum Testfall wird das Testen. Ab nächste Woche sollen sich alle Bürgerinnen und Bürger einmal pro Woche kostenlos testen lassen können. Wo, wann und wie, muss noch genau geklärt werden. Und erklärt.

- Das Leben soll „nach harten Monaten“ (Bundeskanzlerin Angela Merkel) leichtlebiger werden: Deshalb wohl dürfen zuerst Blumenläden, Buchhandlungen, Gartenmärkte und Kosmetikstudios ab Montag landesweit öffnen. Andere Geschäfte dürfen in Bundesländern mit einer Inzidenz unter 50 Neuninfektionen je 100 000 Einwohnern innerhalb einer Woche ebenfalls aufmachen. Für all das gilt eine begrenzte Personenzahl. Und eine beschränkte Haftung.

- Die Kunst kehrt zurück: Museen, Galerien und Gedenkstätten sind ab Montag wieder besuchbar und bei einer Inzidenz unter 50 Neuinfektionen ohne Terminbuchung buchbar. Auch Draußen-Sport wird erlaubt, zumindest kontaktlos für zwei Haushalte mit fünf Personen oder für 20 Kinder. Zudem dürfen Zoos wieder öffnen. Berlins Tiergarten bleibt sowieso rund um die Uhr für alle offen.

- Noch vor Ostern, frühestens aber am 22. März, kann man vielleicht wieder draußen etwas essen und trinken oder gar drinnen in ein Theater oder Kino gehen. Voraussetzung sind stabile Inzidenzwerte unter 100 Neuinfektionen, eine begrenzte Personenzahl und „ein tagesaktueller COVID-19-Schnell- oder Selbsttest“. Der muss allerdings bis dahin leicht zu haben sein.

- Schwer zu bekommen bleiben weiterhin die Impfungen. Darum sollen auch Arztpraxen ab Ende März, Anfang April den Corona-Impfstoff verabreichen können. Falls die deutsche Pandemiebürokratie das diesmal organisiert bekommt.

- Ach ja, noch etwas: Vor drei Wochen war 35 das neue 50. Jetzt ist 50 das neue 35. Die zuletzt propagierte Inzidenz von 35 Neuinfektionen gilt plötzlich nicht mehr als Richtwert der Politik. Merkel musste auf Druck der Länder lockerer lassen (Rekonstruktion hier). Und zollte der „nervigen und nervösen Stimmung“ im Land (Bayerns Ministerpräsident Markus Söder) einen politischen Tribut. Diese Laune im Schicksal wird sich auch morgen nicht verflüchtigt haben. Oder wie Merkel heute früh sibyllisch sagte: „Gute Nacht und Guten Morgen!“