SUV-Unfall offenbart Berlins fahrige Verkehrspolitik

das ist wieder so ein Tag. Wieder so ein Morgen, an dem man die Verkehrswende in zu kurzen U-Bahnen und zu vollen S-Bahnen erleben kann (ab heute verstärkt durch den auf der Stadtbahn unterbrochenen Regionalverkehr). Wieder so ein Tag, auf dem man sich auf zu engen Radwegen nicht sicher sein darf, nicht doch von einem Zweiten-Reihe-Parker oder einem rechtsabbiegenden Lkw in einen wahrhaft toten Winkel abgedrängt zu werden. Wieder so ein Abend, bei dem man selbst auf dem Bürgersteig von einer rasenden gepanzerten Maschine um sein Leben gebracht werden könnte. Der plötzliche Tod von vier Fußgängern beim dramatischen Unfall in der Invalidenstraße, ausgelöst durch einen zu schnellen SUV, hat die Stadt zu Nachdenken gebracht – darüber, wie viel Blechmasse wir noch durch unsere Straßen hin- und herschieben wollen. Darüber, ob die „rücksichtslose Mobilität in der Ego-Kapsel“ (Jutta Maier im Tagesspiegel) nicht wenigstens teurer werden muss – auch wenn als Unfallursache ein epileptischer Anfall des Fahrers stärker in Betracht kommt und die Polizei weiter nach Unfallzeugen zur Aufklärung sucht. Unabhängig davon zeigt der Fall dieses Unfalls aber, warum Berlin sich so schwertut, Stadtverkehr in geregeltere Bahnen zu lenken. Selbst an der schrecklichen Unfallstelle.

Einen ganzen Montag lang brauchte es, um an der gefährlichen Kreuzung Invalidenstraße Ecke Ackerstraße eine Behelfsampel zu installieren, nachdem der Unfallwagen die bisherige Lichtmastanlage zerstört hatte. Die Ämter hatten derweil alle verfügbaren Hände voll zu tun, um sich gegenseitig die Verantwortung für die fahrige Verkehrspolitik zuzuschieben.

Unser Leser Wolf-Dietrich Braun schrieb am Montagvormittag folgende Mail an Mittes Bezirksbürgermeister:
„Sehr geehrter Herr von Dassel, natürlich kenne auch ich die genaue Ursache des Unfalls in der Invalidenstraße noch nicht. Allerdings kenne ich die Kreuzung seit langem und wir als Familie haben sie schon seit längerem als gefährlich eingestuft. Nun, ohne funktionierende Ampel, ist die Kreuzung noch gefährlicher geworden als sie es vorher schon war. Daher mein dringender Appell, dass Sie die maximal zulässige Geschwindigkeit kurzfristig auf 30 km/h reduzieren. Zudem bin ich dringend dafür, dass dort eine vollwertige Ampel installiert wird (und nicht lediglich wieder eine Fußgängerampel). Beste Grüße!“

Die Antwort aus dem Büro des Bezirksbürgermeisters kam so prompt wie pampig:
„Sehr geehrter Herr Braun, da sich der Bezirksbürgermeister von Dassel derzeit im Urlaub befindet, möchte ich Ihnen in aller Kürze antworten. Bezüglich der gewünschten Ampelinstallation und der Geschwindigkeitsreduzierung in der Invalidenstraße ist das Bezirksamt leider nicht zuständig. Für Ampeln ist allein die VLB (Verkehrslenkung Berlin), also Sen UVK (Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz) zuständig. Die Zuständigkeit für die Anordnung von sog. Lichtsignalanlagen und die Änderung von Ampelschaltungen liegt bei der Verkehrslenkung Berlin. Dem beigefügtem Link sind weitere Informationen zu entnehmen. Mit freundlichen Grüßen!“
Das ist wieder so ein Tag.