Rückkauf von Berliner Politik ausgebremst: Was wird aus der „Villa Lichtburg“ am Stölpchensee?
Der Rückerwerb des Wolffsohn-Grundstücks steht wieder still. Bezirksbürgermeisterin Schellenberg will die Angelegenheit aufgrund mangelnder Rückmeldung zu den Akten legen. Von Lorenz Maroldt.
Zweimal wurde das Villengrundstück des Filmpioniers Karl Wolffsohn am Stölpchensee enteignet: 1939 durch die Nazis per „Arisierung“, und nach der juristisch errungenen Rückgabe an die Familie dann 1965 durch den Bezirk Zehlendorf auf dem Weg des unlauteren Zwangsverkaufs. Jetzt wollen die Nachkommen Wolffsohns das Grundstück zurückerwerben – und 7000 der 8000 Quadratmeter der Öffentlichkeit für die Errichtung einer „Villa Lichtburg“ als „Haus Jüdischer Weltkultur“ zur Verfügung stellen, nach dem Vorbild der Villa Massimo in Rom. Doch das Vorhaben könnte im Treibsand der Berliner Politik stecken bleiben: Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg (Grüne) will einen positiven Beschluss der BVV dazu („NS- und Berliner Verwaltungs-Unrecht überwinden: Rückkauf des Grundstücks am Stölpchensee Familie Wolffsohn ermöglichen“, Drucksache 1048/VI) aufheben lassen, amtssprachlich „als erledigt“ betrachten. Der offenbar willkommene Anlass: Angeblich habe sich der Regierende Bürgermeister in der Sache seit dem Frühjahr nicht bei ihr gemeldet.
Das mag zwar sein. Aber laut Checkpoint-Informationen hat Kai Wegner die Sache sehr wohl vorangetrieben: Nach einem Gespräch des Regiermeisters mit Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler, der für das Vorhaben, wie zu hören ist, grundsätzlich offen sei, laufen derzeit Abstimmungen der Verwaltungen für Finanzen, Stadtentwicklung und Umwelt. Für das Bezirksamt von Maren Schellenberg scheint in diesem Teil der viel zu langen Serie keine Rolle mehr vorgesehen zu sein. Der Checkpoint wird sich die weiteren Folgen jedenfalls sehr genau anschauen.