Erinnerung an Sibylle Lewitscharoff
Was bleibt uns am Ende von uns? Lesen wir nach bei Sibylle Lewitscharoff, eine der sprachgewaltigsten und trotz vieler philosophischer Einschübe in ihren Romanen am verspieltesten schreibenden deutschen Autorinnen. In ihrem Buch „Von oben“ heißt es: „Vor dem Tod. Nach dem Tod. Das sind zwei grundverschiedene Arten, die eigene Existenz zu erfahren und auf sie zu blicken. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich bin oben. Seit kurzem. Marode Teile von mir sind unter der Erde, mein versammlungsfähiges Ich, auf das es ankommt, befindet sich oben, wiewohl das Wort Ich hierfür kein korrekter Begriff ist. Man kann eine nicht greifbare und nicht sichtbare Wesenheit schwerlich mit einem Wort bezeichnen, das ein körperliches Triumphzeichen aufpflanzt.“
Am Wochenende ist Lewitscharoff, die alle wichtigen deutschen Literaturpreise gewonnen hat und mit ihrer Todeskrankheit Multiple Sklerose öffentlich umgegangen ist, mit 69 Jahren in ihrer Wohnung in Wilmersdorf gestorben (Nachruf von Gregor Dotzauer hier). Berlin verliert eine seiner wortschönsten Stimmen. Ihre Sprache zum Glück nicht.