Tierische Stadtbewohner auf Futtersuche: BSR rettet Waschbären aus Berlins Mülltonnen
Immer wieder müssen die Tiere von BSR-Mitarbeitern aus Müll-Containern befreit werden. Wildtierexpertin Carolin Weh erklärt, wie man im Notfall richtig reagiert. Von Sönke Matschurek.
Nicht für die Tonne sind Filme auf Social Media, bei denen BSR-Mitarbeiter kleine Waschbären aus Berliner Müllcontainern befreien (zu sehen hier). Speziell dafür geschult sei niemand, heißt es von der BSR auf Nachfrage, aber die Mitarbeitenden suchten meist nach „kontaktlosen Lösungen“ wie Brettern als Kletterhilfe für die in den Tonnen gefangenen Tiere.
Die Senatsverwaltung für Umwelt weiß nicht, wie viele Waschbären derzeit in Berlin hausen, geht aber von einem „exponentiellen Wachstum“ seit den 1990er Jahren aus – auch, weil die Tiere oft aus „falsch verstandener Tierliebe“ gefüttert würden. Ihr Hunger sei jedoch eine Hauptursache für „rapide Populationsverluste“ bei Amphibien. Und der Zuwachs geht weiter. „Die Tragfähigkeit des Berliner Stadtgebiets ist vermutlich noch nicht erreicht“, sagt dazu Berlins Waschbär-Beraterin Carolin Weh.
Und wie erklärt sich die Wildtierbiologin die vielen Mülltauchgänge der Tiere? „Alles, was nach Essen riecht, ist für Waschbären interessant“, sagt Weh. „Biomülltonnen und offene Komposthaufen sind besonders reizvoll.“ Die diesjährigen Welpen seien nun ein halbes Jahr alt, die Jungmännchen zerstreuten sich auf der Suche nach Revieren gerade in der Stadt. Zuweilen würden auch die Waschbär-Mütter, Fähen genannt, ihre Welpen in Tonnen ablegen. Kleintiere in Müllcontainern kommen meist aus eigener Kraft nicht mehr heraus. Wer ein Tier entdeckt, soll den Abfallbehälter umkippen und sich entfernen. Oder eben bei der BSR fragen, wie man es richtig macht.