Zweifel an der Besucherzahl: Wie viele Zuschauer hatte der Karneval der Kulturen wirklich?
Trotz feierlicher Stimmung auf dem Karneval der Kulturen sorgt die offiziell verkündete Zuschauerzahl für Stirnrunzeln: Laut Schätzungen und der Polizei waren es wohl deutlich weniger. Von Anke Myrrhe und Lorenz Maroldt.
Vom Wetter her erinnerte der Karneval der Kulturen zu Beginn mit kühlem Wind und Regen noch an den winterlichen Kamelle-Umzug von Köln – doch später war es (fast) so schön wie immer (einen Bericht finden Sie hier, Fotos hier). Aber waren wirklich 750.000 Leute an der neuen Strecke, wie die Veranstalter stolz verkündeten? Bereits am frühen Nachmittag schickten die Caterer an den Getränkeständen etliche Servicekräfte wieder nach Hause – Ihre Erwartungen hatten sich nicht erfüllt. Stellt sich die Frage: Dauert etwa in Berlin der „Dry January“ bis in den Juni? Oder war es gar nicht so voll? Wir haben das im Kurs „Mathe mit dem Checkpoint“ mal durchgerechnet (Länge und Breite der Strecke minus Mittelstreifen und Fußweg, maximale Personenzahl pro Quadratmeter, verschiedene angenommene Zuschauerdichte zu unterschiedlichen Zeiten, verschiedene Modelle zum Wechsel- und Laufpublikum).
Das Ergebnis: Selbst dann, wenn alle so dicht zusammengestanden hätten wie die Bielefeld-Fans vor dem Olympiastadion und sich in drei Schichten mit anderen abgewechselt hätten, wären im Laufe des Tages maximal 600.000 dabei gewesen (gehen Sie also ruhig von weniger aus; die Polizei spricht vorsichtig von einer Zahl „im sechststelligen Bereich“). Aber ohne Wenn und Aber lässt sich sagen: Diejenigen, die da waren, hatten Spaß – und nur darauf kommt es ja an.