Testen & Prüfen

Da ist es nur logisch, dass auch in Berlin alles beim Alten bleibt und die Schulen am Montag einfach da weitermachen, wo sie aufgehört haben. Eine Freundin bot mir gestern bei laufender Senatssitzung eine Wette an: „Ich sage: Heute wird Wechselunterricht beschlossen, am Samstagnachmittag wird die Entscheidung rückgängig gemacht und die Ferien um eine Woche verlängert.“ Wer hält dagegen?

Immerhin (man wird ja bescheiden) wurde etwas beschlossen, nämlich ein „behutsamer Schulstart nach den Osterferien und Anpassung der Teststrategie“. Konkret heißt das

+++ Die Präsenzplicht bleibt ausgesetzt.
+++ Es bleibt beim Wechselunterricht für alle Jahrgänge außer 7 bis 9, die ab 19. April dazukommen sollen.
+++ Ab dann sollen alle Schülerinnen und Schüler zweimal pro Woche verpflichtend in der Schule getestet werden.

Es war vor allem diese Testpflicht, die gestern die Elternschaft erregte, oder vielmehr ein Satz in der Pressemitteilung der Bildungsverwaltung: „Diese Tests sollen ab diesem Zeitpunkt nicht mehr zu Hause, sondern vor Ort in der Schule durchgeführt werden, um die Inanspruchnahme und die Verlässlichkeit der Tests sicherzustellen.“ Zu Hause klappt’s wohl nicht? Eine Umfrage im Verband der Oberstudiendirektoren, in dem 90 Prozent der Schulleiterinnen und Schulleiter der Berliner Gymnasien organisiert sind, hat am Mittwoch ergeben, dass drei von vier Schulen noch gar nicht vollständig mit Schnelltests ausgestattet sind. Viele Eltern hatten folglich noch gar keine Tests bekommen.

Auch die Art der Durchführung verursacht Unverständnis: „Die Schülerinnen und Schüler testen sich unter Anleitung durch das pädagogische Personal in der Schule selbst (im Klassenraum oder nach schulorganisatorischen Möglichkeiten in weiteren Räumen)“, heißt es in einer Mitteilung der Bildungsverwaltung an die Schulen. „Ziel der Schnelltests ist es, Infektionsketten in der Schule zu vermeiden“, sagt Ralf Treptow, Vorsitzender der Vereinigung der Oberstudiendirektoren, am Donnerstagabend.

Wenn nun aber die Schülerinnen und Schüler in die Schule geholt würden, um einen Schnelltest vor Ort durchzuführen, dann steigere man das Risiko eher. „Ein Test zu Hause verhindert, dass ein positiv getestetes Kind überhaupt die Schule von innen gesehen hat“, sagt Treptow. „Und wer soll die Tests an der Schule eigentlich kontrollieren? Die Lehrerinnen und Lehrer, denen kürzlich die Hoffnung auf eine Impfung wieder genommen wurde?“

Aus der Bildungsverwaltung hieß es am Abend, dass „natürlich noch nicht alle Fragen in allen rechtlichen Details“ geklärt seien. „Die Bildungsverwaltung befindet sich da noch in der Finalisierung“, sagte Sprecher Martin Klesmann. „Um den Schulen Vorbereitungszeit zu lassen und eine Rechtssicherheit herzustellen, greift die Testpflicht ja auch erst ab dem 19. April.“

Treptow ist trotzdem sauer. Der Senatsbeschluss lasse ihn wieder einmal ratlos zurück. Die Entscheidung, alle Schülerinnen und Schüler ab dem 19. April wieder in den Wechselunterricht zurückzuholen, ignoriere wissenschaftliche Erkenntnisse. „Auch sollte der Senat nicht so tun, als ob die Runde mit der Bundeskanzlerin in der nächsten Woche nicht einen harten Lockdown beschließen könnte“, sagt Treptow. „Hier wird jetzt also erneut eine Perspektive aufgemacht, die vielleicht gar nicht gehalten werden kann.“

Als großes Problem bezeichnet Treptow, dass die Vorsitzenden der Berliner Schulleiterverbände nicht mit den politischen Entscheidungsträgern beraten könnten. „Die Senatorin und ihre Staatssekretärin reden kaum mal mit uns. In diesen Ferien zum Beispiel gar nicht. In einer solchen Phase der Pandemie sollte kein Entscheidungsträger Urlaub machen, sondern mit den Praktikern beraten.“

Klesmann kontert: „Sie können sicher sein, dass die Senatorin in so einer Phase nicht einfach Urlaub macht“, sagte er. „Die Senatorin hat heute selbstverständlich an der Senatssitzung teilgenommen und den ganzen Tag gearbeitet – so wie an den vergangenen Osterferientagen auch.“

Ist im Klassenbuch notiert („stets bemüht“)! Die Schulen jedenfalls werden in den nächsten Wochen sehr viel der kostbaren Präsenzzeit mit Testen verbringen. Abimotto 2021: Testen & Testen. Hauptsache, hier wird nicht gebummelt (und geschummelt).