Ernst-Moritz-Arndt-Gemeinde stellt Luther-Büste von Nazi-Künstler aus

Die Kirche mit schwierigem Namenspatron steckt mitten in der Debatte um Onkel Tom. Die Nazi-Kunst findet die Pfarrerin „bemerkenswert“. Von Lorenz Maroldt

Ernst-Moritz-Arndt-Gemeinde stellt Luther-Büste von Nazi-Künstler aus
Foto: Thilo Rückeis

Die Ernst-Moritz-Arndt-Gemeinde in Zehlendorf dachte bis vor kurzem, sie hätte nur mit dem Namen ihrer Kirche ein Problem (EMA war ein fanatischer Antisemit, was mir selbst auch erst lange nach meiner Zeit auf einer Ernst-Moritz-Arndt-Grundschule klar wurde; gesagt hat das damals niemand). Dann stellte die Gemeinde fest, dass ihre Adresse (Onkel-Tom-Straße) in einem Rassismus-Kontext steht – und damit ebenfalls vor einer möglichen Umbenennung.

Und jetzt kommt auch noch ein Nazi-Künstler-Eklat auf sie zu: Am 13. Juli 2020 schrieb der Hobby-Historiker Herrmann Fricke aus Hannoversch Münden einen Brief an die Kirchengemeinde und teilte ihr mit, was sie längst auch selbst hätte wissen können: Den Kirchensaal „schmückt“ laut Gemeindebrief „eine bronzene Luther-Büste des Berliner Malers und Bildhauers Hans Haffenrichter (1897-1981)“. Doch Haffenrichter, einst Mitglied im „Kampfbund für deutsche Kultur“, hatte auch Portrait-Büsten von Hitler und Göring gestaltet, im Auftrag der Nazi-Führung. Dennoch konnte er nach dem Krieg Kunstlehrer werden, und: Kirchenkünstler. In ihrem hinhaltenden Antwortbrief an Fricke erwähnt Pfarrerin Ute Hagmayer die „heftige Diskussion“ über die Umbenennung und fährt fort: „In diesem Zusammenhang ist es natürlich bemerkenswert, dass ausgerechnet eine Lutherbüste des NS-nahen Malers und Bildhauers Hans Haffenrichter in unserer Kirche vorhanden ist.“ Immerhin, bemerkenswert. Jetzt soll sich der Historiker und Archivar der Gemeinde, Michael Häusler, mit der Sache beschäftigen. Mal sehen, was als nächstes kommt.