Rund 20 Prozent der Kinder fehlten: So war der erste Tag nach den Ferien an Berliner Schulen
Direkt nach Silvester schon wieder Schule: Am 2. Januar fehlten deshalb Zehntausende Kinder – entweder krankgeschrieben oder freigestellt. So lief der erste Schultag in Berlin. Von Anke Myrrhe.
zunächst überlassen wir die Checkpoint-Bühne heute Morgen Oscar, 9 Jahre alt, Grundschüler aus Prenzlauer Berg. Wie war der erste Schultag an einem Donnerstag, 2. Januar?
„Es beginnt damit, dass du morgens in die Klasse kommst, dein bester Freund, der jeden Tag superpünktlich ist und immer vor dir da ist, nicht mal in die Schule kommt. Der Unterricht beginnt um acht Uhr ganz pünktlich und zehn Kinder sind nicht da. Zwei davon sind freigestellt, die anderen alle „krank“.
Als der Lehrer sieht, wie wenige Kinder da sind, sagt er: ,Es macht keinen Sinn jetzt mit neuen Themen zu starten, wenn nur die halbe Klasse da ist.‘ Und dann erzählt er uns etwas über Feuerwerkskörper und wie gefährlich sie sind, aber er meint, dass es trotzdem Tradition hat. Als er fertig ist, sagt er: „In der nächsten Stunde wird aber gearbeitet.“ Dann ist Pause.
Als die Pause vorbei ist, fängt er wieder an zu reden und erzählt der ganzen Klasse, was sie jetzt machen soll. Dann ist wieder Pause…“
So wie Oscar oder ähnlich ging es vielen Schülerinnen und Schülern an diesem ungewöhnlichen Berliner Morgen. Viele hatten Silvester bis spät in die Nacht gefeiert, und mussten sich bereits einen Tag später wieder um 8 Uhr in die Schule quälen. „Auch die Lehrkräfte sahen alle ziemlich müde aus“, erzählte ein Lehrer aus Tempelhof.
Ein Rundruf bei verschiedenen Schulen über alle Bezirke hat ergeben, dass rund 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler fehlten. Ebenso wie eine einheitliche Regelung: Manche Schulen hatten vorsorglich einen der flexiblen Studientage für Lehrkräfte auf den Donnerstag gelegt, manche lockten die Schülerinnen und Schüler mit Klassenarbeiten zurück in die Schule – was offenbar funktionierte. In manchen Klassen fand der Unterricht ganz normal statt, in anderen wurde nur gespielt und gemalt. In einer Grundschule in Kreuzberg endete der Unterricht um 10.25 Uhr. Hier wurde schon vorab die Botschaft an die Eltern verbreitet, dass niemand Fragen stellen würde, wenn die Kinder krank sind.
Die Schulverwaltung wollte all das gestern nicht kommentieren, schließlich sind die zwei plötzlichen Schultage noch vom vorherigen Senat mit Senatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) 2022 beschlossen worden. Pech gehabt.
Sonstige Vorkommnisse am ersten Schultag des neuen Jahres: Fehlende Hausaufgabenbetreuung in Steglitz, eine ausgefallene Heizung in Prenzlauer Berg und zu wenig Schulessen in Lichtenberg – es wurde Joghurt verteilt. Und schon sind wir wieder mittendrin im Schulalltag. Wenn ab jetzt der Unterricht ausfällt, machen Sie sich keine Sorgen: Das ist ganz normal.