9-Euro-Ticket – ein Riesenerfolg, der Pendler vergrault?
Rund zweieinhalb Millionen Berlinerinnen und Berliner nutzten bislang das 9-Euro-Ticket. Mit welchen Konsequenzen für Pendler? Von Stefan Jacobs
In drei Wochen läuft das 9-Euro-Ticket ab, das dem Finanzminister irgendwie zu gratis ist und der SPD in der Bundesregierung offenbar nicht wichtig. Regiermeisterin Franziska Giffey fordert allerdings ein Anschlussangebot, etwa ein 365-Euro-Jahresticket. Laut einer Studie wurden rund drei Prozent Autofahrten vermieden und Millionen Ausflüge unternommen, die man sich sonst nicht geleistet hätte. Unklar ist, wie viele Pendler vor den überfüllten Zügen geflüchtet sind. Dem CP ist ein Fall bekannt, in dem ein Pendler aus Werder seit Juni die 100 Kilometer mit dem Auto zur Arbeit nach Rüdersdorf fährt, weil er mit dem Fahrrad (das er für den Weg vom und zum Bhf. Erkner braucht) nicht mehr in den RE1 passt.
Die Bahn geht auf CP-Anfrage auf möglichweise verschreckte Pendler nicht direkt ein, sondern berichtet von Marktforschung, wonach 20 Prozent der Kunden vorher nicht oder kaum Öffis genutzt hätten und 90 Prozent der Kunden mit ihrer „letzten Fahrt“ zufrieden seien. Allerdings hätten mehrfach Züge wegen Überfüllung nicht abfahren dürfen. Zur Nachfrage: Allein die Berliner S-Bahn habe 1,1 Mio. 9-Euro-Tickets verkauft. Die rund 200.000 Abonnenten kommen noch hinzu.
Anders als die Burnout-Bahn ist die BVG kein Opfer des 9-Euro-Erfolges geworden, obwohl sie sogar schon mehr als 3 Mio. Tickets verkauft hat, davon 800.000 für August – ebenfalls zusätzlich zu den mehr als 800.000 bestehenden Abos (inkl. Gratis-Schülertickets u.a.). Überfüllte U-Bahnen seien seltene Ausnahmen gewesen, und in den Sommerferien verteile sich der Andrang ohnehin gleichmäßiger über den Tag. Fazit: Rechnerisch haben also in den drei Geltungsmonaten rund zweieinhalb Millionen Berliner:innen ein 9-Euro-Ticket. Bisher war kein anderer Beitrag zur Verkehrswende so mehrheitsfähig wie dieser.