„Als Journalist gehandelt“: Springer-Chef Döpfner bekommt Miete von Adidas
Die „Bild“-Zeitung hatte 2020 berichtet, dass Adidas für die Räume in der Münzstraße keine Miete zahlte. Jetzt kam heraus: Der Vermieter war Döpfner selbst. Von Robert Ide und Thomas Lippold
Bleiben wir beim Geschäftlichen. „Adidas-Shops zahlen keine Miete mehr“, titelte die „Bild“-Zeitung im März 2020 im Zuge der Corona-Krise; auch der Tagesspiegel berichtete danach ausführlich. Wie nun die „Financial Times“ erfuhr, trug Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner diese Information selbst an den damaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt heran. Eine Springer-Sprecherin bestätigt dem Checkpoint den Ursprung dafür: Döpfner ist Miteigentümer der Münzstraße 13-15 in Mitte – dort ist Adidas auf zwei Etagen Mieter und betreibt einen Flagship-Store. In der Berichterstattung war bei „Bild“ davon nichts zu lesen.
Fünf Tage und einen Aufschrei später erschien dann dieser Artikel: „Adidas entschuldigt sich und zahlt jetzt doch Miete.“ Die Springer-Sprecherin erklärt zu dem Vorgang: „Herr Döpfner hat hier als Journalist gehandelt, als er diese Information bekommen hat, und hat unmittelbar erkannt, dass das Thema von einem überragenden öffentlichen Interesse ist.“ Und wie erfuhr Döpfner so schnell von dem Sachverhalt? „Über seinen Hausverwalter“, sagt die Sprecherin. Wie viel Miete Döpfner mit dem Objekt verdient, konnte Springer nicht mitteilen. Auch eine Checkpoint-Anfrage an die Adidas-Zentrale in Herzogenaurach blieb bis zum Abend unbeantwortet. Immerhin wissen wir aber jetzt, warum die Münzstraße so heißt.