„Mich bringen keine zehn Pferde mehr weg“: Warum Menschen sich nach Berlin zurücksehnen
Allen Marotten der Hauptstadt zum Trotz: Es gibt sie auch, die Berlin-Rückkehrer. Sie haben uns geschrieben, was sie dazu bewogen hat. Vier Liebeserklärungen. Von Julius Betschka und Lotte Buschenhagen
Aber hier leben? Ja, bitte, bitte, bitte! Nachdem gestern an dieser Stelle ausführlich über Berliner Wurstigkeit, Dreistigkeit und Dreck gemeckert werden durfte, wollen wir heute den Ruf Berlins wiederherstellen. Schließlich sind wir hier nicht bei der CSU! Natürlich ziehen mehr Leute hierher als weg – und viele kommen sogar zurück. Ja, auch aus Bayern. Warum? Vier Liebeserklärungen:
+ „Wir sind vor 5 Jahren von Berlin an den Bodensee gezogen und zurückgekommen. Seit dem Immobilienhype und der Start-Up-Bubble konnten wir uns in unserem Kiez nicht mehr wohlfühlen. Doch im Süden war alles davon noch viel ätzender: Geisterorte mit 75 Prozent Ferienwohnungen, Konformitätszwang ohne Ende. Sind jetzt glücklich, wieder hier zu sein.“
+ „Trotz allen Verwaltungsbashings habe ich ausnahmslos gute Erfahrungen mit Berliner Ämtern gemacht. Ich genieße das Kulturangebot, die Internationalität, das quirlige Leben und die grünen Oasen dieser tollen Stadt. Klar ärgere auch ich mich über Dreck. Und manchen Rüpel fordere ich auf, netter zu sein – meistens mit Erfolg. Mich bringen keine zehn Pferde mehr weg aus Berlin. Wer gehen will: bitte schön! Aber hört auf, Berlin madig zu machen.“
+ „Aus familiären Gründen muss ich häufig für längere Zeit an meinen Geburtsort, aber wenn ich an einer belebten Kreuzung im sommerlichen Kreuzberg sitze, dabei Bier trinke und nur hier ansässige Existenzen beobachte, dann weiß ich wieder: Es gibt keinen besseren Ort.“
+ „Meine drei Töchter sind in Berlin geboren, beim ersten Berlin-Besuch nach dem Umzug nach Wien fuhren wir mit dem Auto über den Stadtring – mit Wiener Kennzeichen. Meine jüngste Tochter Luise malte ein Schild, das sie ins Autofenster hängte: ‚Eigentlich sind wir Berliner‘.“
Apropos Berliner: 20 Monate müssen Möchte-Gern-Berliner in Pankow warten, um eingebürgert zu werden. Das ergab eine Anfrage der CDU-Politikerin Eva Scharfenberg. Aktueller Rückstau: 2.378 Anträge. Gut Ding will ja bekanntlich Weile haben und zur Not schreiben Sie sich eben in den Ausweis: Eigentlich bin ich Berliner.