Wie Berliner Gastronomen das Pilotprojekt finden

Seit einer Woche dürfen selbstgetestete Berliner in acht Restaurants in Mitte drinnen sitzen. Für die Gastronomen lief es gut. Die Polizei kontrollierte nicht. Von Anke Myrrhe und Thomas Lippold

Wie Berliner Gastronomen das Pilotprojekt finden
Im Innenraum des Restaurants Ständige Vertretung an der Spree stehen Luftfilter. Mit einem Pilotprojekt für selbstgefilmte Corona-Tests hatte die Innengastronomie in ausgewählten Restaurants in Berlin-Mitte für Gäste geöffnet. Foto: Christophe Gateau/dpa

Essen hingegen darf der nicht tanzende (aber getestete) Berliner ab heute auch in Innenräumen wieder, seit einer Woche läuft bereits ein Pilotprojekt in Mitte mit acht Restaurants. Und wie schmeckt’s?

Stefan Schneck, Geschäftsführer der Schnitzelei Mitte:
„Der erste Abend in der Schnitzelei war für uns ein voller Erfolg. Die Öffnung des Innenraums war zwar sehr ungewohnt, lief aber von Anfang an reibungslos. Es herrschte sowohl unter den Angestellten als auch unter den Gästen eine wirklich tolle Stimmung, alle hatten ein permanentes Lächeln im Gesicht. Ich würde sagen, es fühlte sich etwa an, wie bei einem ersten Date: Schmetterlinge im Bauch aber grenzenlose Freude, dass es endlich los geht.“
 
Zeèv Rosenberg, Projektleiter der Amano Group / MANI Restaurant:
„Unsere Gäste sind super glücklich, wieder in eine gewisse Normalität zu kommen, und genießen es sehr, wieder drinnen sitzen zu können. Einige waren überrascht, dass wir Innengastronomie auch anbieten und haben den Test direkt vor Ort gemacht. Für die Mitarbeiter ist es auch ein gutes Signal in die richtige Richtung des Zurückkommens ins normale Leben. Endlich fühlt es sich fast wieder normal an.“
 
Jörg Nolte, Geschäftsführer Wirtschaft und Politik bei der IHK Berlin (die das Projekt begleitet): 
„Der videobasierte Selbsttest wird von Kunden als eine gute Alternative zum Besuch im Testzentrum wahrgenommen, da man unnötige Kontakte vermeidet und zu Hause fälschungssicher einen Corona-Test durchführen kann. Sobald diese erste Testphase abgeschlossen ist, setzen wir uns dafür ein, dass dieses Verfahren möglichst bald auch allen anderen Gastronomen als zusätzliche Option angeboten werden kann.“

Und wie lief‘s in unserem Lieblingsrestaurant Borchardt? „Wir sind dankbar, dass wir die Möglichkeit haben, bei dem Piloten zu partizipieren“, sagt Chef Roland Mary. „Alles, was der Gastronomie und unseren Gästen ein Stück Normalität zurückbringt, ist positiv.“

Moment, war positiv dieser Tage nicht negativ? Egal, nehmen wir noch einen großen Schluck und fragen mal beim Bezirksamt nach: Wie wurde die Einhaltung der Auflagen eigentlich kontrolliert? „Corona-Kontrollen werden in der Statistik nur in ihrer Gesamtheit erfasst“, teilte das Bezirksamt Mitte mit. „Eine detaillierte Auskunft ist daher nicht möglich.“

Also weiter zur Polizei, Antwort: „An oder in den von Ihnen genannten gastronomischen Einrichtungen kam es seit dem 29. Mai 2021 zu keinen Einsatzanlässen der Polizei Berlin im Zusammenhang mit der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung Berlin. Ein durch das Pilotprojekt erhöhtes Einsatzaufkommen konnte nicht festgestellt werden.“ Frei nach Adam „Schnitzel“ Riese: Wer nicht kontrolliert, der findet auch nichts.