Berlins Bürgermeister in Los Angeles: Fentanyl-Krise und Werbekampagnen für die Polizei
Der letzte Stopp seiner USA-Reise führt Kai Wegner nach Los Angeles, wo er sich mit Experten und Politikern über die Fentanyl-Krise und Werbekampagnen für die Polizei austauscht. Von Anke Myrrhe.
Wir schalten ein letztes Mal in die USA, aus denen in dieser Woche Checkpoint-Korrespondentin Anke Myrrhe berichtet:
Der Kontrast könnte größer kaum sein. Kurz nach der Landung in Los Angeles steht Kai Wegner nur in Hemd und leichtem Sakko vorm Hotel und raucht eine Zigarette. Gerade in Boston hatte der eisige Wind der Berliner Wirtschaftsdelegation noch zu schaffen gemacht, in Los Angeles ist es auch am späten Abend noch fast 20 Grad warm, Palmen wehen zwischen den nicht mehr ganz so mächtigen Hochhäusern der Innenstadt. Noch ein Cuba Libre?
Auf dem Weg zu irgendeiner Bar um die Ecke fallen Wegner die vielen Obdachlosen auf. Die Droge Fentanyl ist hier ein großes Problem, das Elend auf den Bürgersteigen offensichtlich. Die demokratische Bürgermeisterin von LA, Karen Bass, hat den Kampf dagegen zu ihrem Hauptthema im Wahlkampf gemacht. Wegner ist mit ihr am Tag darauf zum Austausch verabredet. „Diese Droge ist wirklich schlimm“, sagt der Regierende Bürgermeister, der kürzlich mit Abhängigen am Leopoldplatz in Wedding gesprochen hat. Berlin kämpft aktuell vor allem mit einer wachsenden Crack-Szene. „Wir haben große Sorge, dass Fentanyl auch nach Berlin kommt“, sagt Wegner.
Nach ein paar Stunden Schlaf erklärt der Vize-Präsident des Los Angeles Police Department (LAPD), wie Technologie und aufwendig produzierte Werbekampagnen (Hollywood ist schließlich nebenan) messbar das Vertrauen in die örtliche Polizei verbessert haben. Jeder Cop in LA hat ein Dienst-iPhone und kann Ermittlungsmaterial (inkl. Video) direkt an die Zentrale schicken. „Man sieht, was mit Technologie alles möglich ist“, sagt Wegner. Wissend, dass ein großer Teil in Deutschland vom Datenschutz einkassiert würde. „Angesichts der derzeitigen Situation geht das nicht. Da muss man gegebenenfalls zu Anpassungen kommen.“
Für den geplanten Austausch zum Kampf gegen Obdachlosigkeit und Clan-Kriminalität ist dann leider keine Zeit mehr. Jetzt geht’s ins echte Hollywood.