Clubsterben in Berlin geht weiter: Das „Mensch Meier“ muss dichtmachen
Zum Jahresende macht ein nächster besonderer Ort des Berliner Nachtlebens das Licht aus. Der Club war bekannt für seine basisdemokratische Organisation und seine wilde musikalische Mischung. Von Robert Ide
„Tanz den Untergang mit uns.“ So stand es lange an der Fassade des subversiven Clubs „Mensch Meier“ in Prenzlauer Berg, nun ist dieser Spruch abmontiert. Denn zum Jahresende macht ein nächster besonderer Ort des Berliner Nachtlebens das Licht aus. „Wir haben zehn Jahre lang einen erfolgreichen nicht-kommerziellen Club aufgebaut, doch bis zuletzt ist für uns die Lage prekär geblieben“, erzählt Clubsprecher Benni am Checkpoint-Telefon.
Der Musiker, in Berlins Partyszene bekannt unter seinem Künstlernamen Jenny Pepps, hat den Club an der Storkower Straße mit aufgebaut, jahrelang an der Technik geschraubt und Partys organisiert. „Mensch Meier“ war bekannt für seine basisdemokratische Organisation und seine wilde Mischung von Techno über Hip-Hop bis Rock (Video hier).
Nach der Corona-Pandemie erfand das Kollektiv das Programm noch einmal neu, dann aber stiegen durch die Inflation die Gagen, die Energie- und Nebenkosten. Und viele Nachtschwärmer sparten sich lieber das Geld für manche Nacht. Laut Tagesspiegel-Infos sind ökonomische Gründe zudem nicht die einzigen für das Ende des Kollektivs.
Die Clubcommission warnte nun am Donnerstag vor einem generellen Clubsterben: „Die Berliner Clubkultur, weltweit bekannt für ihre Einzigartigkeit, Diversität und Progressivität, steht derzeit vor einer existenziellen Bedrohung.“ Neben den gestiegenen Kosten und vermehrten Lärmklagen sind viele Kulturorte auch durch den Weiterbau der A100 bedroht.
Wie dem „Mensch Meier“ geht es gerade vielen Clubs: Sie müssen ihre Freiräume aufgeben, weil sie sie sich nicht mehr leisten können und sich die Stadt diese nicht länger leisten will. „Vor zehn Jahren kamen wir noch leichter an Räume“, erzählt Musiker Jenny Pepps. Inzwischen funktioniere das Nachtleben oft nur über die Ausbeutung persönlicher Ressourcen.
Pepps‘ Mitstreiter organisieren nun eine Reihe von Abschiedspartys im „Mensch Meier“. Die erste steigt am 30. September zum zehnjährigen Jubiläum des Vereins „Tatendrang“, der den Club mit ermöglichte und auch auf dem Fusion-Festival aktiv war. Ob im nächsten Jahr auf dem früheren Industriegelände an der Storkower Straße noch gefeiert wird, ist unklar. Nach Tagesspiegel-Infos sind ökonomische Gründe nicht die einzigen für das Ende des Kollektivs. Dafür müsste wohl die Lokalpolitik etwas mehr Tatendrang für die Clubs entwickeln. Damit Berlin nachts nicht bald in den Untergang tanzt.