Junge Frau berichtet von rassistischem Überfall

Sechs Rassisten prügelten eine 17-Jährige krankenhausreif – mitten in Berlin. Und niemand kam ihr zur Hilfe. Warum? Aus dem Checkpoint. Von Robert Ide

Junge Frau berichtet von rassistischem Überfall
Dilan S. ist noch im Krankenhaus, als sie von der Attacke am Wochenende an der Greifswalder Straße in Berlin erzählt. Screenshot: Twitter/Bahar Aslan

Es sind verstörende Szenen mitten in Berlin: ein rassistischer Angriff auf die 17 Jahre junge Dilan durch drei Männer sowie drei Frauen am Sonnabendabend an der Straßenbahn-Haltestelle Greifswalder Straße. Die sechs prügelten gemeinschaftlich auf die junge Frau ein. „Sie haben mich getreten, sie haben auf meinen Kopf geschlagen, sie haben mir in meinen Bauch gehauen, in meine Beine getreten“, berichtete Dilan, die ins Krankenhaus aufgenommen werden musste, am Dienstagabend auf Instagram (was am Mittwochmorgen nicht mehr abrufbar war, aber bei Twitter neu hochgeladen wurde – zu sehen hier). Die junge Frau weiter: „Dabei haben sie alle geschrien, ich wäre eine Drecks-Ausländerin. Und ich solle dahin zurückgehen, wo ich herkomme.“ Die Polizei sucht Zeugen. Zur Seite stand Dilan an der Haltestelle niemand. „Ich hab geschrien und gefragt, warum mir keiner hilft. Ich hab gebettelt um Hilfe.“

In der ursprünglichen Polizeimeldung vom Wochenende war mit Berufung auf erste Aussagen auch der Frau davon die Rede gewesen, der Überfall habe mit einem Streit um eine fehlende Maske der jungen Frau in der Tram begonnen. Dies war auch im Checkpoint am Mittwochmorgen so weiterkommuniziert worden. Am Mittwochmittag korrigierte die Polizei nun u.a. auf Tagesspiegel-Nachfragen hin ihre Version, räumte Fehler ein und sprach von „missverständlich formulierten“ Strafanzeigen. Die Auswertung von Videos habe gezeigt, dass „die Jugendliche beim Ein- und Aussteigen aus der Tram eine Mund-Nase-Bedeckung trug und diese lediglich bei dem auf die rassistischen Beleidigungen folgenden Streitgespräch mit den sechs Erwachsenen kurzfristig nach unten gezogen hatte.“ Die sechs verdächtigen Erwachsenen hätten überwiegend keine Masken getragen. Wir haben auch diese Meldung hier am Mittwochnachmittag entsprechend geändert.