Silvester: Hohe Feinstaubbelastung und Angriffe auf Einsatzkräfte
Berlin ist mal wieder Spitzenreiter! Wie Kollege Stefan Jacobs hier gestern schon richtig vermutet hat, wurde in der Silvesternacht nirgendwo in Deutschland eine derart hohe Feinstaubbelastung gemessen wie an der Frankfurter Allee, nämlich 853 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (der Grenzwert liegt laut EU-Richtlinie bei 50 Mikrogramm). Das hat das Umweltbundesamt am Mittwoch bestätigt. Saubere Sache! Nicht. Die vorläufige Bilanz des Unfallkrankenhauses Berlin für die Silvesternacht: 50 Menschen mit Verletzungen durch Böller wurden hier behandelt, davon 25 mit teils schweren Brandverletzungen im Gesicht oder auch im Genitalbereich. In 25 Fällen kam es zu Handverletzungen bis hin zur Amputation von Fingern, in 13 Fällen waren Kinder betroffen.
Wie ein Angriff auf Einsatzkräfte, von denen es wie berichtet auch bei diesem Jahreswechsel wieder 49 gab, aussieht, zeigt ein Video vom Kottbusser Damm Ecke Sanderstraße, wo löschende Feuerwehrleute mit Raketen attackiert werden. Auf einem anderen Video, verbreitet von BZ-Polizeireporter Axel Lier, sieht man Polizisten, die mit Feuerwerkskörpern beworfen und als „Hurensöhne“ beschimpft werden. Hoffentlich sehen das nicht die potenziellen Polizeianwärter, die Polizeipräsidentin Barbara Slowik jetzt auch in den sozialen Medien verstärkt anwerben möchte. Auch junge Europäer, die schon Deutsch sprechen, könne man so erreichen. Slowik fordert mehr Personal für ihre Behörde, auf eine konkrete Zahl möchte sie sich aber nicht festlegen. Sie selbst machte in der Silvesternacht einen zaghaften Anfang in Sachen Social Media und setzte ihren ersten Tweet ab. „Einen herzlichen Dank an alle Einsatzkräfte, die heute Nacht im Einsatz sind, da für Dich! Und uns allen ein friedliches neues Jahr! Barbara Slowik“, antwortete sie auf einen Tweet der Polizei. Ein bisschen Nachhilfe – sowohl in Social Media als auch in Beamtenrecht – kann die Polizeipräsidentin aber noch gebrauchen: Ihr Account hat bisher weder ein Bild, noch eine Beschreibung ihrer Funktion. Und Stand 2 Uhr am Donnerstagmorgen erst 82 Follower.
Vielleicht wird ja schon nächstes Silvester alles besser. Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek fordert im Tagesspiegel-Interview ein Böllerverbot innerhalb des S-Bahn-Rings. Außerdem zwei bis drei zentrale Feuerwerke. Entspannt zurücklehnen und das Spektakel am Himmel genießen. Klingt verlockend. Und würde vielleicht auch grausame Vorfälle wie den unweit von Kiel verhindern, wo eine 39-jährige dreifache Mutter in der Silvesternacht durch Metallsplitter im Kopf getötet wurde, die aus nicht handelsüblichen Feuerwerkskörpern stammen könnten. Und wer jetzt wieder anfängt, von der Freiheit zu böllern zu sprechen, dem entgegnet Immanuel Kant: "Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt." Hannover macht‘s vor.