Neue Koalition träumt vom klimaneutralen BER
Die farbigste Verkehrsvision für Berlin liefert bislang Bettina Jarasch (Grüne) – ausgerechnet der BER soll „Vorreiter für einen klimaneutralen Flughafen werden“. Von Robert Ide und Matthieu Praun
Im Glück wähnt sich auch Berlins neu-alte Regierungskoalition. Man habe bei den Verhandlungen sogar Angela Merkels neu entdeckten Ost-Hit „Du hast den Farbfilm vergessen“ gemeinsam gesungen, ließ der Grünen-Chef Werner Graf fröhlich wissen. Hoffentlich hat Rot-Grün-Rot dabei nicht die schwarz-weiße Realität der Stadt vergessen. Die liegt in Berlin auch für den designierten Verkehrssenator Graf auf der hart umkämpften Straße – hier zur Illustration der Balkonblick auf eine von einem Pankower Grünen-Stadtrat eingerichtete „Fahrradstraße“ (via @PankowBiker).
Die farbigste Verkehrsvision liefert bislang Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch, die bei der Verkündigung des Koalitionsvertrages am Montag ankündigte, der Pannenflugplatz BER solle „Vorreiter für einen klimaneutralen Flughafen werden“. Was genau meinte sie damit? „Das müssen Sie Frau Jarasch fragen“, antwortet uns darauf die Flughafengesellschaft. Und Jaraschs Sprecher schreibt: „Ich fürchte, so kurz lässt sich das nicht beantworten.“ Im Koalitionsvertrag (Download hier) heißt es dazu: „Wir wollen die Produktion und den Einsatz von Treibstoff aus erneuerbarem Strom am BER etablieren.“ Nun, vielleicht liegt die Wahrheit einfach auf dem Flugplatz, wie eine parlamentarische Anfrage des Linken-Abgeordneten Kristian Ronneburg zeigt: Demnach waren in den Herbstferien von insgesamt 3.119 Starts und Landungen am BER „insgesamt 512 über 30 Minuten verspätet“. Ein Flughafen, von dem man nicht abfliegen kann – klimaneutraler geht’s eigentlich nicht.