Adresse, Beruf, Geburtsjahr: Daten von 900 Berliner Schöffen waren drei Jahre lang öffentlich abrufbar
Datenschutz will gelernt sein. Knapp 900 Bürger wurden vom Bezirk Mitte gerade darüber informiert, dass ihre persönlichen Daten fast drei Jahre lang im Netz abrufbar waren. Besonders problematisch ist, dass sie als ehrenamtliche Richter dienen sollten. Von Valentin Petri und Christoph Papenhausen.
Wenn’s mit dem Datenschutz doch immer so klappen würde. Im Abgeordnetenhaus erklärte Datenschutzbeauftragte Meike Kamp gestern: Noch nie sei ihre Behörde derart beschäftigt gewesen. Mehr als 1200 Datenschutzvorfälle wurden 2024 gemeldet (aktuellste Zahlen).
Aktuelles Beispiel: Der Bezirk Mitte hat knapp 900 Bürger gerade darüber informiert, dass ihre persönlichen Daten fast drei Jahre lang im Netz abrufbar waren – mit dabei: Name, Geburtsjahr, Beruf, teils Adresse. Besonders problematisch: Die Betroffenen waren als Schöffen vorgeschlagen, sollten also freiwillig oder zufällig ausgewählt, als ehrenamtliche Richter dienen. Der Datenschutzbehörde ist die Panne inzwischen bekannt. So einen Fall habe man noch nicht erlebt, sagte ein Sprecher.
Aus dem Informationsbrief des Bezirks, der dem Checkpoint vorliegt, geht hervor, dass das Bezirksamt die Schöffen-Listen im März 2023 mit seinen Beschlüssen veröffentlicht hat. Auf der Website waren sie bis mindestens Mai abrufbar. Obendrein landeten die Links in einem öffentlichen Webarchiv, wo man sie bis vor Kurzem noch einsehen konnte. In seiner Post an die Betroffenen informiert der Bezirk über mögliche Folgen: „Bedrohung, Erpressung im Kontext der Tätigkeit als Schöffe“. Da lässt man sich doch gern für die Allgemeinheit verpflichten.