Ost-Duell in Marzahn-Hellersdorf: Katalin Gennburg und Mario Czaja kämpfen um Bundestagsmandate
Der Berliner Osten wird zu einem Wahlkampf-Schauplatz der Bundestagswahl: Linken-Abgeordnete Katalin Gennburg und CDU-Politiker Mario Czaja kämpfen um Stimmen für Bundestagsmandate. Von Robert Ide.
In der Kälte und vor dem Souverän zittern müssen in diesem Winter die Parteien vor der vorgezogenen Bundestagswahl. Tief im Osten von Berlin kommt es dabei zu einem erfrischenden Ost-Ost-Duell. Die bisher in Treptow-Köpenick aktive Abgeordnete Katalin Gennburg will in Marzahn-Hellersdorf das Bundestagsmandat für die Linke zurückerobern – gegen den hier gut verwurzelten Ost-Berliner CDU-Politiker Mario Czaja. Dieser hat vor allem in den Häuser-Siedlungen am Stadtrand seine Basis und ist befreundet mit Linke-Guru Gregor Gysi, der ihm ein Vorwort für sein neues Buch „Wie der Osten Deutschland rettet“ geschrieben hat. Die 40-jährige Stadtentwicklungsexpertin dagegen setzt auf die Hochhaussiedlungen. „Ich mache einen Ost-Berliner Wahlkampf aus der Platte für die Platte“, sagt Gennburg am Checkpoint-Telefon.
Der in den Siedlungsgebieten beliebte Czaja sucht die „Hauptauseinandersetzung“ allerdings mit dem für die AfD im Bundestag gegen Migranten wetternden Gottfried Curio. Der 64-Jährige hatte zuletzt die politische Konkurrenz als „unheilige Allianz aller Kartell-Altparteien“ bezeichnet und ihnen „totalitäre Arroganz“ unterstellt. Czaja sieht in Curio einen Konkurrenten, „der rechtsextremer sein will als Herr Höcke und aus Steglitz-Zehlendorf kommt“. Der 49-jährige CDU-Abgeordnete setzt dagegen auf mehr Gewerbe und eine bessere Ärzteversorgung und sagt dazu dem Checkpoint: „Für unsere Pflegeschule brauchen wir auch zugewanderte Fachkräfte – aber die werden nicht kommen, wenn das hier AfD-Land wird.“
Der Wahlkampf im Berliner Osten könnte ein Sinnbild für die politischen Verschiebungen in Ostdeutschland werden. Und bleibt angesichts des kaum einschätzbaren populistischen Wagenknecht-Wahlbündnisses mit dem früheren 1.-FC-Union-Manager Oliver Ruhnert als Neuzugang schwer vorhersehbar (unseren wöchentlichen Newsletter „Im Osten“ dazu lesen Sie hier).
Schon jetzt absehbar dürfte es um die Bodenpolitik gehen. Czaja ist bewusst, dass er mit der Kritik gerade vieler Ostdeutscher am Grundsteuer-Chaos umgehen muss (zumal die Reform vor dreieinhalb Jahren gemeinsam von CDU/CSU, SPD und Grünen bei Stimmenthaltung der Linken im Bundestag beschlossen worden war). „Die Grundsteuerreform belastet vor allem ältere Menschen auf großen Grundstücken, deren Rente für die Steuer nicht ausreicht“, weiß Czaja. „Für solche Härtefälle hat der Finanzsenator einen Fonds geschaffen.“ Finanzsenator Stefan Evers (CDU) soll dazu nächste Woche zu einem Bürgerdialog in die Gegend kommen.
Die für ihre linke Rhetorik und auch ihre farbenfrohe Bekleidung stadtweit bekannte Gennburg gibt dagegen die Klassenkämpferin. „Ich will gegen Bodenspekulanten und Treuhand-Gauner vorgehen, die den Abriss Ost und den Wohnungsmangel zu verantworten haben“, sagt Gennburg. „Dieser Ausverkauf geht auf die Liegenschaftspolitik der CDU zurück.“ Da die Linke um Czajas Beliebtheit bei früheren Linke-Wählern weiß, betont sie: „Am Ende treten Parteien gegeneinander an.“ Und mit ihnen spannende Menschen im Osten von Berlin.