Traditionslokal „Mommsen-Eck“ schließt nach mehr als 100 Jahren

Das Alt-Berliner Lokal, das sich auch „Haus der 100 Biere“ nennt, ist eine Kiez-Institution. Doch nun droht das Aus, denn die Hauseigentümer wollen „Moderne“. Von Robert Ide.

Traditionslokal „Mommsen-Eck“ schließt nach mehr als 100 Jahren
Foto: Cay Dobberke/Tsp

Tja, so langsam wird der Checkpoint zum Nachrufe-Newsletter auf traditionsreiche Berliner Kneipen. Auch das bekannte Mommsen-Eck muss schließen, das Alt-Berliner Lokal ist seit 1905 in Charlottenburg verwurzelt und hat sich bis heute sogar Teile der originalen Wandtäfelung bewahrt. Das selbsternannte „Haus der 100 Biere“ mit Wintergarten und Terrasse am Brunnen des Hindemithplatzes hat zwei Weltkriege überlebt, nicht aber die Volten des Berliner Immobilienmarkts. Ende April wird der Zapfhahn, an dem schon Hildegard Knef gesessen hat, endgültig zugedreht.

„Eine Jahrhundertkneipe muss bald schließen, da es Menschen gibt, die den Wert dieses Restaurants nicht schätzen“, schreibt Geschäftsführerin Dagmar Dagustany auf der Internetseite. „Ich hatte schon einen Nachfolger, aber die Investorengruppe, der das Haus gehört, hat uns mitgeteilt, sie wolle Moderne und keine Tradition“, berichtet die 65-Jährige am Checkpoint-Telefon. „Wir haben die Pandemie überstanden und wollten die Arbeitsplätze erhalten, aber das interessiert die Herren Investoren nicht. Das schmerzt extrem.“ Darauf einen Alt-Berliner Absacker, halb dankbar und halb bitter.