Wie Gehörlose Gebärden für die drei Kanzlerkandidat:innen finden

Sprache verändert sich – das gilt auch für Gebärdensprache. Welche Gebärden gibt es aber für die aktuellen Kanzlerkandidaten? Von Ann-Kathrin Hipp.

Wie Gehörlose Gebärden für die drei Kanzlerkandidat:innen finden
Foto: imago images/Cord

Zeichen gesucht: Die gehörlose Community diskutiert derzeit, welche Gebärden für die Kanzlerkandidat:innen Baerbock, Laschet und Scholz genutzt werden könnten. „Es werden meist offensichtliche Dinge oder bestimmte Charaktereigenschaften gewählt“, erklärt Bloggerin Julia Probst und zeigt im Videocall mit dem Checkpoint ein paar Beispiele. Barack Obama etwa sei zunächst mit „Ärmel hochkrempeln“ und später dann mit einem „O“ und der amerikanischen Flagge symbolisiert worden. Joschka Fischer wird als Fisch gezeigt, Gerhard Schröder mit einer Kippbewegung der Hand („der Schwankende“). Angela Merkels Gebärde bestand zunächst aus „herunterhängenden Mundwinkeln“ und wurde dann kanzlerinnengerecht durch eine Denkpose (abgeleitet von dem Wort „merken“) ersetzt. Alternativ gebe es noch den „Pagenschnitt“ – auf die Raute wurde verzichtet, weil sie in der amerikanischen Gebärdensprache für „Vagina“ steht.

Baerbock, Scholz und Laschet sind bis dato noch gebärdenlos – zumindest offiziell. Man werde sich die drei im Wahlkampf „genau angucken“ und Vorschläge herausarbeiten, sagt Probst. Der Buschfunk funktioniere unter Gehörlosen sehr gut. Was sie sich außerdem für den Wahlkampf wünscht: Dass Gebärdensprachdolmetscher möglichst immer mit dabei sind – egal ob bei Live-Auftritten oder im Fernsehen. Hätte über den Inklusionsgedanken hinaus den schönen Nebeneffekt, dass auch Hörende mitbekämen, wie die Namen mit den Händen gezeichnet werden.