500 Unterzeichner fordern Jüdisches Museum zur Rückbesinnung auf
Vor drei Monaten trat Peter Schäfer als Direktor des Jüdischen Museums zurück, nachdem die Social-Media-Abteilung des Hauses, einen „Taz“-Artikel zur isrealkritischen BDS-Bewegung retweetete. Nun fordern weltweit 500 WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen in einer Petition eine Kehrtwende des Museums.
Das Jüdische Museumdarf „kein Ort der Anti-Israel-Agitation, der Förderung von Antisemitismus und der Unterstützung von Israels Feinden“ sein, heißt es in dem Schreiben, das an Kulturstaatsministerin Monika Grütters, den Zentralrat der Juden in Deutschland und das Jüdische Museum Berlin adressiert ist. Die Einrichtung sei in den vergangenen Jahren zu einer „No-Go-Area“ geworden und müsse sich „auf die Gründungsidee und den Auftrag des Museums zurückbesinnen“ und ihren alten Ruf wiederherstellen. Initiiert wurde der Aufruf vom internationalen Ausschuss der „Scholars for Peace in the Middle East“ (SPME), Mitunterzeichner ist u.a. der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Lior Shambadal. Elvira Grözinger, SPME-Sprecherin und stellvertretende Vorsitzende in Deutschland, sagt: Man habe ein Zeichen setzen wollen, bevor die neue Hausleitung benannt wird. „Es muss sich was ändern.“
Die SPME-Gruppe ist als Gegenbewegung zu BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) entstanden. Die weltweit tätigen Aktivisten von BDS fordern vor dem Hintergrund der Besatzungspolitik einen Boykott isrealischer Produkte und Kultur. Dem Jüdischen Museum war unter Schäfers Führung wiederholt vorgeworfen worden, anti-isrealischen Positionen zu viel Raum zu geben. Der isrealische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu forderte sogar ein Ende der finanziellen Förderung des Museums. Unmittelbar vor Schäfers Rücktritt sagte Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland: „Das Maß ist voll“. Die isrealischen Intellektuellen Moshe Zimmermann und Shimon Stein sahen in Schäfers Demission allerdings eine Gefahr für die Meinungsfreiheit. Es dürfe nicht sein, dass die isrealische Regierung bestimme, was jüdisch ist.