Kühnert: Am Ende ein Gefühl absoluter Vergeblichkeit
Kevin Kühnert hat zum ersten Mal öffentlich über seinen Rückzug aus der Politik gesprochen. In einem Gespräch mit Caterina Lobenstein für die „Zeit“ berichtet er über konkrete Bedrohungen und Anfeindungen in der Öffentlichkeit. Auch dass er überall erkannt und oft angepöbelt wurde, habe ihm immer mehr zu schaffen gemacht. Kühnert zweifelt aber vor allem zunehmend an der „Wehrhaftigkeit“ der Gesellschaft gegenüber Extremisten.
Auch Einblicke in sein Privatleben ließ Kühnert zu. So habe er durch seine Liebesbeziehung zu einem Mann mit FDP-Parteibuch neu festgestellt: „Es braucht das ständige Bewusstsein, dass der politische Gegner auch recht haben könnte.“ Dies sei in den vergangenen Jahren auf der Straße wie im Parlament verkümmert. Er nehme auch links der Mitte eine Unerbittlichkeit wahr, die er für ähnlich gefährlich halte wie die Verhärtungen auf der rechten Seite.
Und dann ein Satz, der lange nachhallt: „Am Ende war da ein Gefühl von absoluter Vergeblichkeit.“ Ein letztes Warnsignal für den Politiker und Mensch Kevin Kühnert. Und ein Weckruf für die demokratisch verfasste Gesellschaft.