Berliner Schnauze, Muskeln und Melancholie: Schauspieler Harald Kempe überraschend mit 58 Jahren gestorben
Der charmant-derbe Sulle im Film „Wedding“ von 1989 war eine seiner Paraderollen. Nun ist Harald Kempe gestorben. Das City Kino Wedding gedenkt seiner. Von Robert Ide
Sulle ist sauer: Seine Freundin ist abgehauen, sein Auto wurde gepfändet. So beginnt „Wedding“, einer der letzten Berliner Filme, die vor dem Mauerfall gedreht wurden. Sulle trifft im abgerockten Arbeiterkiez auf Susanne und Markus aus seiner alten Clique – alle drei suchen neue Lebensträume im alten Wedding, am kürzeren Ende der Bornholmer Straße. Seit Jahren wird der Film von 1989 im kleinen City Kino Wedding aufgeführt. Oft kam bei den Vorstellungen auch Hauptdarsteller Harald Kempe vorbei, der Sulle mit seinen Muskeln, seiner Berliner Schnauze und seiner Traurigkeit einen bleibenden Ausdruck gab (Trailer hier).
Kempe, der neben der Schauspielerei auch als Tenor und Stuntman arbeitete, war auch öfter im Fernsehen zu sehen – zuletzt im Berliner „Tatort“ mit dem Titel „Mauerpark“, der gleich um die Ecke auf dem inzwischen abgerissenen Industriegelände auf der Weddinger Seite des Mauerparks spielt. Nun ist Kempe überraschend mit 58 Jahren gestorben. Ihm zu Ehren zeigt heute das City Kino Wedding (20.45 Uhr, Müllerstraße 74, Tickets hier) wieder „Wedding“. Vieles vergeht in Berlin – charmant-derbe Leute wie Sulle bleiben.