Die wilden Neunziger: Als in Berlin Löwen noch privat im Garten gehalten werden durften

Die Aufregung um eine vermeintliche Löwin im Süden Berlins war groß. Doch bis in die Neunziger hinein durften Löwen in Berlin sogar privat gehalten werden. Ein Blick zurück. Von Lorenz Maroldt.

Die wilden Neunziger: Als in Berlin Löwen noch privat im Garten gehalten werden durften
Ein Löwe außerhalb des Zoos? Im Berlin der 90er Jahre war das noch möglich. / Foto: dpa / Jan Woitas

Wir hatten in Berlin aber auch schon echte Löwinnen, die selbst bei näherer Betrachtung nicht zu Wildschweinen wurden – und zwar außerhalb von Tierpark, Zirkus und Zoo (heute verboten):

1992 berichtete Martina Miethig im Tagesspiegel und in der „Zeit“ über die kleine Elsa, die im Garten des Tierhändlers Gerd Becker in der Pankower Idastraße 23 lebte und bald 100 Kilogramm wog. Amtstierarzt Horst König befand damals: „Der Gesundheitszustand ist prächtig, sie hat sich gut entwickelt und ist ihrem Halter sehr zugetan.“ Auch Anwohner Thomas Graf war zufrieden: „Es ist schon was Besonderes, mit einer Löwin in einer Straße zu wohnen.“

Und Checkpoint-Leser Kurt Kreibohm erinnert sich an die Löwin Keka, die 1990 gleich bei ihm nebenan in die Zehlendorfer Schützallee zog – und dort ordentlich brüllte. Der Unternehmer Günter Kuck hatte Keka als Baby in einer Kiste aus dem Urlaub mitgebracht, den Umgang mit dem schnell wachsenden Raubtier traute er sich von Berufs wegen zu: Kuck war ein bekannter Berliner Baulöwe.