Frauen im Bundestag haben nicht mal Sperrminorität - Ataman spricht von „Armutszeugnis für eine Demokratie“
Die Anti-Diskriminierungsbeauftragte kritisiert die mangelnde Repräsentation der Frauen im nächsten deutschen Bundestag. Doch nicht nur das Geschlechterverhältnis ist unausgewogen. Von Robert Ide
Bevor die Kleine Koalition loslegt, werfen wir einen Blick in den neuen Bundestag – und sehen, dass das Parlament höchstens einen Teil von Deutschland zu repräsentieren vermag. Von den 630 Abgeordneten sind nur 204 Frauen, ihr Anteil fällt damit unter die Sperrminorität von einem Drittel. Von einem „Armutszeugnis für eine Demokratie“ spricht die scheidende Anti-Diskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman. Am höchsten ist der Anteil weiblicher Abgeordneter bei den Grünen mit 61,2 Prozent, am niedrigsten bei der AfD mit 11,8 Prozent. Auch CDU und CSU haben Nachholbedarf bei der Gleichstellung, wie ein Blick in die erste Unions-Sondierungsrunde zeigt (Foto hier). Frauen haben hier offenbar nur den Tisch gedeckt.
Das Durchschnittsalter aller Abgeordneten beträgt inzwischen 47,1 Jahre – am ältesten sehen dabei AfD und CSU aus. Am frischesten wirkt die neue Fraktion der Linken, die mit dem 23-jährigen Luke Hoß aus Passau auch den jüngsten Abgeordneten stellt.
Bei den Berufen der gewählten Abgeordneten zeigt sich ebenfalls ein unausgewogener Ausschnitt des Landes. Nicht weniger als 459 Abgeordnete sind laut Bundestagsverwaltung (alle Zahlen hier) im Bereich „Unternehmensorganisation, Recht und Verwaltung“ tätig – erst mit weitem Abstand dahinter folgen Gesundheits-, Lehr- und Sozialberufe mit 45 sowie die Kultur- und Medienbranche mit 44 Abgeordneten. Deutschland wird künftig vorrangig vertreten von älteren männlichen Juristen – für den versprochenen Politikwechsel bräuchten diese wohl erst einen Perspektivenwechsel.