Einordnung der aktuellen Corona-Lage: Deutschlands Politik zaudert und die Berlinale hofft

Die Bundesregierung zaudert bei der Impflicht und die Schulen gehen in die Knie. Außerdem: freie Impftermine für Biontech und Hoffnung bei der Berlinale. Von Robert Ide.

Einordnung der aktuellen Corona-Lage: Deutschlands Politik zaudert und die Berlinale hofft
Foto: dpa

Und damit ein Update zur Corona-Lage: Alle Angaben sind wie bei den Gesundheitsämtern ohne Gewähr auf Vollständigkeit und lange Gültigkeit, aber recherchiert nach bestem Wissen und Gewissen:

- Zauderkanzler Olaf Scholz (SPD) hat in seiner Befragung im Bundestag jetzt mitgeteilt, dass er sich nun doch für eine von ihm geforderte Impfpflicht für alle Erwachsenen „aktiv einsetzen“ wolle. Wann er damit beginnt, bleibt natürlich erst mal abzuwarten. Die deutsche Politik zaudert die Pandemie hinaus.

- Ein Bürgerdialog bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geriet gestern zwischenzeitlich zur digitalen Jammerstunde von Impfskeptikerinnen und -gegnern über angeblich neue Langzeitfolgen der zugelassenen Impfungen. Immerhin konnte Steinmeier anbringen: „Wir haben keine Notfallzulassung für unsere Impfstoffe.“ Selbstverständlichkeiten, die nicht von allen als selbstverständlich anerkannt werden.

- Die gute Nachricht des Tages: Ab heute, 9 Uhr stehen im Impfzentrum in der historischen Fabrik in Moabit 3500 frische Dosen des Biontech-Impfstoffs zur Verfügung (Wiebestraße 42). Alle Menschen über 12 Jahren haben hier bis 21. Januar die freie Wahl der medizinischen Mittel, etwa für ihren Booster – freie Termine gibt’s hier.

- Berlins Schulen schulen sich derweil selbst zu Corona-Notfallmanagern um. Auf den Lehrplänen stehen inzwischen die Spiegelstriche der Quarantäneverordnungen, die Sekretariate werden zu Testcentern mit Telefonwarteschleife zum Gesundheitsamt – und immer mehr Kinder lernen schon wieder bei den arbeitenden Eltern zuhause. „Die Präsenzpflicht aufzuheben ist das letzte Mittel“, verlangt die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD). In vielen Klassen ist es längst das erzwungene Mittel der Wahl.

- Die gute Nachricht des Monats: Die Berlinale versucht mit aller Kraft, ein wenig Ablenkung hinterm Vorhang hervorzuzaubern. Berlins größtes Kulturevent soll im Februar auf ein kleines Filmfestival mit viel Abstand, Tests, Masken sowie vielen Hoffnungen auf weniger Veranstaltungen mit weniger Plätzen runtergedimmt – der Ausgang ist wie in vielen Filmen gänzlich ungewiss. Der Eröffnungsfilm „Peter von Kant“ von Starregisseur François Ozon verspricht jedenfalls einen guten Anfang. Laut Ankündigung ist er „eine filmische Tour de Force durch das Konzept des Lockdowns“ sowie „ein Kammerspiel als perfekter Container für Liebe, Verführung und Humor“. Was braucht man mehr?