Rechtswissenschaftler schlägt drei Alternativen für „Mohrenstraße“ vor
Der erste afrodeutsche Jurist und eine der „Mütter des Grundgesetzes“: In Mitte könnten Straßen bald nach Anton Wilhelm Amo und Elisabeth Selbert benannt werden. Von Stefan Jacobs
Die Debatte um die Umbenennung der Mohrenstraße und des gleichnamigen U-Bahnhofs weitet sich auf interessante Weise: Der Rechtswissenschaftler und HU-Professor Alexander Ignor erörtert in einer Mail an den Tagesspiegel mehrere Alternativen. Anton Wilhelm Amo (1703-1759) sei eine gute Option: „Ein nach Europa verkaufter Sklave, der durch einen Glücksfall in Deutschland am Wunder der Aufklärung teilhaben durfte und selbst zu einem aufgeklärten Rechtsgelehrten wurde“.
Ostwärts – von der Markgrafenstraße bis zum Hausvogteiplatz – könnte die Amo-Straße in die Gustav-Radbruch-Straße übergehen, schreibt Ignor. Damit läge das Bundesjustizministerium an einer Adresse, deren Namensgeber (1878-1949) ein „Jurist und Demokrat ohne Fehl und Tadel“ gewesen sei, Justizminister in der Weimarer Republik, sozial gerecht, kriminalpolitisch wegweisend, gewissenhaft im Wortsinn – und mit diesen Eigenschaften der erste Hochschullehrer, den die Nazis 1933 aus dem Staatsdienst entließen.
Der unter diesem Namen wenig bekannte, nach einem preußischen General benannte Zietenplatz, den die gegabelte Mohrenstraße an ihrem westlichen Ende umschließt, könnte nach Ignors Vorschlag samt dem dort befindlichen U-Bahnhof nach Elisabeth Selbert (1896-1986) benannt werden, einer der vier „Mütter des Grundgesetzes“. Ihr sei der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ im GG-Artikel 3 zu verdanken. Idealerweise könne auch das wenige Meter entfernte Arbeitsministerium diese „angemessene Anschrift“ erhalten, schreibt Ignor. Na, wenn das keine gute Diskussionsbasis ist!