Berliner Erzbischof für Selbstverteidigung der Ukraine

Noch ist der Papst Oberhaupt der katholischen und nicht der russisch-orthodoxen Kirche. Die Forderung von Papst Franziskus an die von Russland überfallene Ukraine, „die weiße Fahne“ für Verhandlungen mit dem Aggressor zu hissen, stößt in der Welt auf viel Empörung und auf Verwunderung in vielen katholischen Gemeinden. Allerdings gilt auch im Erzbistum Berlin die heilige Regel: Dem Papst widerspricht man nicht. So wollte sich Erzbischof Heiner Koch am Montag nicht zur Checkpoint-Anfrage äußern, ob die Forderung des Papstes nicht einer Kapitulation der Ukraine gleichkomme. Stattdessen verwies er auf das Engagement der katholischen Kirche und der Caritas für die ukrainische Nothilfe.

Das Zentralkomitee deutscher Katholiken immerhin forderte den Papst auf, den Appell zur Beendigung des Krieges an Russland zu richten. Am Montagnachmittag ließ auch die Deutsche Bischofskonferenz erstmals versteckte Kritik erkennen. Es sei wichtig, dass der Heilige Stuhl in Rom „eine inhaltliche Klärung seiner Position kommuniziert“, schrieb Bischöfe-Sprecher Matthias Kopp auf Checkpoint-Anfrage und nannte die Formulierung mit der weißen Fahne „unglücklich“. Berlins Katholiken waren da schon mal deutlicher. Am zweiten Jahrestag des russischen Überfalls hatte Erzbischof Koch noch gemahnt: „Bleiben wir wach für die Freiheit. So sehnsüchtig auch mein Wunsch nach Frieden ist – es kann keinen Frieden ohne Freiheit geben.“ Und: „Ich anerkenne das Recht der Ukraine auf Verteidigung dieser Freiheit.“ Nun muss das nur noch jemand aus der katholischen Kirche dem Papst sagen.