Entsetzen in der Welt über Putins Krieg
Trotz Sanktionen setzt der russische Präsident seinen Einmarsch in der Ukraine fort. Fassungslos konstatiert Außenministerin Baerbock: „Wir wurden eiskalt belogen.“ Von Anke Myrrhe
„Europas Zukunft wird eine Zukunft in Frieden und Freiheit sein“, sagte Olaf Scholz Donnerstag Abend in einer Fernsehansprache. Dass der Bundeskanzler einen solchen Satz ans deutsche Volk richtet, dass er diese Beruhigung der Menschen für nötig hält, allein das ist schier unbegreiflich. Über Nacht ist der Frieden in Europa keine Selbstverständlichkeit mehr. Das Selbstverständnis einer ganzen Generation erschüttert von den Bomben eines Despoten mit Großmachtphantasien.
Die Welt ist nicht mehr die, die sie am Mittwoch war. Debatten über Nord Stream 2, diplomatisches Geschick und freundliche Annäherungen – sie wirkten am Abend des Kriegsbeginns so weit entfernt wie die sibirische Steppe. „Wir wurden eiskalt belogen“, sagte Außenministerin Annalena Baerbock Donnerstag Abend im ZDF. „Es gibt kein Zurück“, sagte Olaf Scholz. Auch er wurde von Putin vorgeführt, der ihn – wie den Rest des Westens – am langen Tisch hat verhungern lassen.
Die wichtigsten Nachrichten aus der Nacht:
+++ „Es hat keine Wirkung gezeigt, der russische Präsident hat den Krieg gewählt“, sagte der französische Präsident Emmanuel Macron gegen 3 Uhr am Freitagmorgen bei einer Pressekonferenz in Brüssel, über sein Telefonat mit Wladimir Putin.
+++ Der EU-Sondergipfel stimmte Sanktionen gegen Russland zu: Ein Ausschluss aus dem Banken-Kommunikationsnetzwerk Swift und Ausfuhrverbote für Erdgas sind zunächst nicht dabei. Das sei nicht der Schritt, den Europa im Moment gehen wolle, sagte US-Präsident Joe Biden.
+++ Die USA schicken 7000 Soldaten nach Deutschland, um die Nato zu stärken.
+++ Das russische Militär hat offenbar die Kontrolle über das Gebiet um den zerstörten Atomreaktor Tschernobyl übernommen und nähert sich Kiew.
+++ Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ordnete die allgemeine Mobilmachung an: Alle Reservisten und Wehrpflichtigen werden einberufen.
+++ Wenig später wird Selenskyj in einen Bunker gebracht: Erste russische Truppen haben die Hauptstadt Kiew erreicht. „Ich werde in Kiew bleiben“, sagte Selenskyj.
+++ Die Ukraine meldete 137 Tote.
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